Im Auftrag des Aufsichtsrates der Gießen 46ers GmbH & Co. KG:
Die Gesellschafter der Gießen 46ers GmbH & Co. KG nehmen enorme finanzielle und persönliche Anstrengungen auf sich, um den Basketballstandort in Gießen zu erhalten und zu entwickeln. Dabei haben wir immer im Blick, dass diese Gesellschaft gegründet wurde, um die nach jahrelangem defizitären Wirtschaften im Jahre 2012 drohende Pleite dauerhaft abzuwenden. Aus diesem Grunde haben die Gesellschafter die Haftsumme von über 1,66 Millionen € aufgebracht und den Standort damit auf sichere wirtschaftliche Füße gestellt. Und wir haben uns geschworen: Nach der Sanierung werden wir nicht zulassen, dass sich eine solche Situation wiederholt.
Aus diesem Grunde richteten wir eine feste monatliche Besprechung der aktuellen Zahlen mit einer Vorschau des zu erwartenden Ergebnisses ein. Doch erstmals gegen Ende der Saison 2018/2019 erreichten uns Informationen über ein nicht geplantes Defizit von über 200.000,00 € für diese Saison. Dieses Alarmzeichen war Anlass, die vorgelegte Finanzplanung sowie natürlich unser eigenes Handeln nicht nur zu hinterfragen, sondern ein noch klareres Finanzmanagement zu installieren. Wir starteten sofort mit einer aktualisierten Planung für die Saison 2019/2020, die aufgrund der im Sommer 2019 bereits feststehenden Verpflichtungen ein geplantes Defizit von max. weiteren 50.000,00 € vorsah. Wir ergänzten dies mit der Vorgabe an die Geschäftsleitung, dieses durch Sparmaßnahmen im Laufe der Spielzeit noch zu reduzieren und einen ausgeglichenen Jahresabschluss zu erreichen.
In der Folgezeit wurden insbesondere durch vom Aufsichtsrat veranlasste Überprüfungen ständig neue Fakten sichtbar, die das Ergebnis sukzessive weiter und immer schwerer belasteten. Im Ergebnis haben wir – ohne die zusätzlichen Belastungen aus der Corona-Krise – statt mit einem ausgeglichenen Ergebnis wieder mit einem Fehlbetrag von über 200.000,00 € zu rechnen. Dies gefährdet nicht die Existenz des wirtschaftlich nach wie vor solide dastehenden Klubs. Anders wäre es aber, wenn auf die zwei wirtschaftlich katastrophalen Jahre zwei weitere solche Jahre folgen würden.
Die Gesellschafter haben daraufhin schon Ende letzten Jahres mit großer Mehrheit entschieden, das Steuer herumzureißen, ohne Einzelheiten in die Öffentlichkeit zu tragen und damit handelnde Personen zu beschädigen. Wir haben uns aus Überzeugung dankbar gegenüber dem Geleisteten gezeigt, denn wir haben nicht vergessen, wer unseren finanziellen Einsatz genutzt hat, um mit den JobStairs GIESSEN 46ers sportlich und wirtschaftlich erfolgreich den Basketballstandort Gießen zu erhalten und zu entwickeln.
Es war uns dabei wichtig, erforderliche Entscheidungen – auch personelle – intern und ruhig, mit gegenseitigem Respekt und in Würdigung der außerordentlichen Leistungen der vergangenen Jahre zu treffen. Auch wollten wir dies in einer möglichst diskreten Weise tun, um Beschädigungen einzelner Akteure zu vermeiden. Dies war leider mit dem Eigeninteresse und Mitteilungsbedürfnis Einzelner nicht vereinbar. Drei von 33 Gesellschaftern haben schon vor Monaten angekündigt, den von uns eingeschlagenen Weg nicht mitgehen zu wollen. Wir sehen uns im Einklang mit der weit überwiegenden Zahl der Gesellschafter und den Sponsoren in unserem Bemühen, weiterhin für eine stabile und dauerhafte Basis des Basketballs in Gießen zu sorgen, an dem unser Herz so sehr hängt.
Wir konnten und können aber nicht darüber hinwegsehen, dass Fehler gemacht wurden, die geeignet sind, den Gießener Basketball zu bedrohen, wenn nicht entschlossen Abhilfe geschaffen wird. Deshalb haben wir uns nach intensiven Diskussionen für einen Neustart unter Inkaufnahme der damit verbundenen schwierigen Maßnahmen entschieden. Wir sind sicher, mit diesen Entscheidungen die Zukunftsfähigkeit unseres Klubs auch in diesen insgesamt schwierigen Zeiten zu sichern. Die Arbeit der verbliebenen 30 Gesellschafter ist geprägt von der Leidenschaft für den Basketball in Gießen. Für diese Arbeit erbitten wir Vertrauen und Unterstützung von allen denen, denen Basketball am Herzen liegt.
Da wir unsere Sicht der Dinge in der bisherigen öffentlichen Darstellung noch nicht wiederfinden, möchten wir gerne hier nur einige wenige Klarstellungen zu folgenden fünf exemplarisch herausgegriffenen wesentlichen Fragestellungen beitragen:
1. Die Liquidität der JobStairs GIESSEN 46ers war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet, die JobStairs GIESSEN 46ers stehen aktuell sehr solide da. Trotzdem wissen wir, dass die Saison 2020/21 uns noch vor große Herausforderungen stellen und die Unterstützung sowohl von allen Gesellschaftern als auch vielen anderen Basketballbegeisterten erfordern wird. Eine Saison ohne Heimspiele mit Zuschauern würde schwierig werden. Deshalb sind die mit uns in der AG Teamsport Hessen zusammengeschlossenen Vereine unverändert darauf angewiesen, dass unsere Sportunternehmen mit ihren Arbeitsplätzen wie andere Wirtschaftsbereiche Unterstützung auch seitens der Politik und des Landes Hessen erhalten.
2. Zu keinem Zeitpunkt haben Gesellschafter und Aufsichtsrat in Abrede gestellt, dass die für den Klub sportlich insgesamt erfolgreiche Verpflichtung John Bryants mit Zustimmung des Aufsichtsrates erfolgt ist. Tatsache ist, dass das mit dieser Entscheidung verbundene Finanzierungskonzept nur teilweise umgesetzt werden konnte und dass sich so ein Teil des Fehlbetrages im Geschäftsjahr 2018/19 erklärt. Die Tatsache der fehlerhaft vorgelegten Planung des Budgets 2019/20 hat damit überhaupt nichts zu tun, da diese Kosten zum Zeitpunkt der Aufstellung des Budgets bekannt und berücksichtigt waren.
3. Sogenannte Bartergeschäfte (Tauschgeschäfte) sind ein wichtiger Teil der Finanzierung des Gesamtbudgets. Deshalb sind wir auch sehr dankbar z.B. für die Bereitstellung eines bedeutenden Fahrzeugkontingentes durch einen unserer Premium-Partner, selbstverständlich gegen angemessene Gewährung entsprechender Werbemöglichkeiten durch die JobStairs GIESSEN 46ers. Doch auch diese Geschäfte sind mit einer finanziellen Belastung verbunden. Aufgrund der im Profisport bislang leider üblichen Vertragsgestaltung gingen die auf diese Sachleistungen entfallenden Lohnsteuer- und Sozialversicherungskosten zu Lasten der JobStairs GIESSEN 46ers. Selbst für die abgebrochene Saison entstanden uns hierdurch Cash-Kosten von rund 25.000 €. Deshalb erfordert die Beantwortung der Frage, ob die Attraktivität eines Jobangebots durch die Bereitstellung eines Fahrzeuges durch den Klub erhöht wird, eine sorgfältige Prüfung im Einzelfall, ob dies durch Einsparung sonst anderweitig entstehender Kosten gerechtfertigt ist.
4. Tatsache ist weiterhin, dass der Klub schon vor der Entpflichtung und Abreise von Spielern im Zuge der Corona-Pandemie vier nicht benötigte leerstehende Wohnungen mit einem Jahresaufwand von knapp 29.000 € finanzierte, die alle im normalen Kündigungsrahmen lagen (entgegen anderslautenden Behauptungen handelt es sich nicht um Gewerbemietverträge). Dies ist angesichts der Möglichkeiten des heimischen Wohnungsmarktes zumindest nicht wirtschaftlich sinnvoll.
5. Ein großer, überwältigender Dank gilt den treuen Fans und Sponsoren der JobStairs GIESSEN 46ers. Die weitaus überwiegende Zahl der Dauerkartenkäufer sowie der Sponsoren haben darauf verzichtet, wegen der vier ausgefallenen Heimspiele der abgebrochenen Saison Rückforderungsansprüche zu stellen. Zusammen mit den umgesetzten Sparmaßnahmen hilft dies massiv, den Corona-Schaden vergleichsweise klein zu halten. Dazu haben verschiedene Sponsoren bereits angekündigt, ihr Engagement in der kommenden Saison nicht nur nicht zurückzufahren, sondern zu erhöhen.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates der Gießen 46ers GmbH & Co. KG
Reinhard Bentrup
Wolfgang Greilich
Yan-Tobias Ramb
Christiane Roth
Oliver Träger
Dr. Lars Witteck


