
In der ersten Partie unter der Leitung des früheren MTV Gießen Flippers- und deutschen Nationalspielers war die 46ers-Truppe gegenüber den letzten Spielen nicht wiederzuerkennen, die Lahnstädter zeigten ihre beste Offensivleistung in dieser Saison. Mit 91 Zählern erzielten die Mittelhessen so viele Zähler wie in keiner der vorangegangenen 16 Erstliga-Begegnungen dieser Spielzeit, 19 Assists dokumentieren, welch homogene und mannschaftlich geschlossene Leistung das Gießener Team an diesem kalten Januarnachmittag in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt aufs Parkett legte. Herausragend Michael Umeh, der 27 Punkte (5 von 8 Dreiern, 77 Prozent aus dem Feld) zum Erfolg beisteuerte.

Die Düsseldorfer, ihres Zeichens mit einer Trefferquote von rund 38 Prozent das bis dato drittbeste Dreipunkteteam in der Liga, trafen hingegen nicht zuletzt aufgrund der aufmerksamen Verteidigungsleistung der Gießener Fünf im ersten Abschnitt keinen ihrer sieben Wurfversuche von jenseits der 6,25m-Linie. Bedingt dadurch, dass die 46ers-Angriffsmaschinerie natürlich nicht mehr derart gut geölt weiterlaufen konnte wie zu Beginn der Partie, kamen die Gastgeber auf 14:18 heran, ehe „Mike“ Umeh mit seinen Punkten zehn und elf für den aus Gästesicht höchst erfreulichen 20:14-Viertelendstand sorgte.

Viel schlimmer als die Tatsache, dass Düsseldorf kurz vor der Halbzeit auf 34:36 verkürzen konnte, war die mittlerweile aufgetretene Foulproblematik. 14:8 Fouls hatten die Schiedsrichter in den ersten 20 Minuten zu Ungunsten der durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Jannik Freese, „Flo“ Hartenstein und dem weiterhin in der Reha-Phase befindlichen Richard Poiger nur mit acht einsatzfähigen Spielern angereisten Gäste verteilt, Maurice Jeffers, Gerrit Terdenge und Corey Rouse waren zur Pause mit jeweils drei Fouls belastet.
Diese Situation sollte sich zu Beginn von Hälfte zwei weiter verschärfen: Corey Rouse und Maurice Jeffers bekamen in der 21. bzw. 22. Minute ihr viertes persönliches Foul angehängt. Beiden Spielern unterlief in den verbleibenden 18 Minuten aber kein weiteres Foul mehr. Auch wegen der Foulverteilung, aber auch nicht ausschließlich dadurch bedingt, stand teilweise eine sehr kleine Gießener Formation auf dem Feld, zum Beispiel in der Variante Hickman, Schaffartzik, Umeh, Lischka und Terdenge. Bogojevic: „Das war kein Nachteil, weil wir wussten, dass Düsseldorf keinen richtig langen ‚Kracher‘ auf den großen Positionen besitzt.“
Die 46ers gerieten zu Beginn der zweiten Halbzeit erstmals ins Hintertreffen (36:38), blieben in ihrem defensiv schwächsten Viertel bis zum 57:58 (28.) aber auf Tuchfühlung zum Gegner. Es folgte ein 0:7-Run zum 57:65 (30.). In dieser Phase wie im gesamten Viertel drei waren es vor allem Schwächen beim Defensivrebound, die den Gießenern Probleme bereiteten und die Giants ein ums andere Mal zum erfolgreichen Abschluss im zweiten Anlauf kommen ließen.
Nach dem 59:65 am Viertelende setzte sich Düsseldorf bis zur 33. Minute auf zehn Punkte (59:69, Dreier Lottich) ab. Auch in der 35. Minute (64:73) sah es noch danach aus, als ob das Bogojevic-Debüt nicht von Erfolg gekrönt sein würde. Was folgte, war ein fulminanter Endspurt des fünfmaligen Deutschen Meisters, der ein klasse Teamplay zeigte und in der 37. Minute zum 73:73 ausgleichen konnte. Corey Rouse, dem ein Double-double gelang (10 Punkte, 12 Rebounds), holte auf Assist von Johannes Lischka in der 38. Minute die Führung wieder zurück (77:76). Beim 81:79 für Düsseldorf durch ein Drei-Punkte-Spiel von Brant Bailey waren nur noch 79 Sekunden zu spielen.
Anschließend krönte Michael Umeh seine starke Leistung mit einem Ballgewinn und zwei Treffern an der Freiwurflinie. Ricky Hickman traf in der Schlussminute einen Dreier zum 84:81. Beim Stande von 86:84 war es erneut Hickman, der an der „Linie“ eiskalt blieb und beide Würfe versenkte. Der 25-jährige US-Point Guard brachte den Sieg mit einem Steal und zwei weiteren Treffern von der Freiwurflinie rund 20 Sekunden vor dem Ende unter Dach und Fach, nach Spielschluss bejubelten die mitgereisten 46ers-Fans zusammen mit der Mannschaft den angesichts der Erfolge der direkten Konkurrenz (Köln, Tübingen) doppelt wichtigen Sieg.
„Vladi“ Bogojevic sagte nach der Begegnung: „Die Freude über diesen Sieg ist natürlich sehr groß. Ich bin glücklich darüber, dass wir das Spiel in dieser Art und Weise gewonnen haben. Das zeigt, dass unser Team funktioniert. Ich habe nicht so viel verändert, unsere Spieler haben sich heute von der Einstellung her sehr gut präsentiert und eine große Energieleistung gezeigt. Wir haben auf dem Parkett gut und konzentriert gearbeitet und es hinbekommen, unser Potenzial, das auch schon vorher vorhanden gewesen ist, einfach mehr auszuschöpfen. Die Intensität in unserem Spiel hat mir gefallen, sowohl offensiv wie defensiv. Wir können den Augenblick genießen, unsere Tabellensituation verbietet aber ein zu ausgiebiges Jubeln. Das war heute aber sicher kein schlechter Neuanfang für uns, darauf lässt sich aufbauen.“
Achim Kuczmann, Head Coach der Giants Düsseldorf, äußerte sich wie folgt: „Glückwunsch an Vladimir Bogojevic, er hat die Mannschaft sehr gut eingestellt und Gießen hat verdient gewonnen. Die Gründe für unsere Niederlage liegen zum einen in der Verteidigung, wo wir nicht intensiv genug dagegen gehalten haben. Auf der anderen Seite haben wir im Angriff wie schon einige Male in dieser Saison nicht clever genug gespielt. Gießen hat in der Schlussphase hervorragend getroffen und hatte in Michael Umeh einen überragenden Akteur.“
Punkteverteilung:
Giants Düsseldorf: Winters (13), Hendley (19), Peete (3), Carter (12), Bailey (14), Townsend (0), Lottich (13), Campbell (3), Kosmalski (7).
LTi 46ers: Jeffers (14), Umeh (27), Terdenge (5), Hickman (14), Lischka (15), Maras (6), Rouse (10), Schaffartzik (0), Hartenstein (n. e.).


