Über den Dächern von Lich geht der Blick nach oben

Vorlesen:

Launige und informative Saisoneröffnung der GIESSEN 46ers vor 120 geladenen Gästen im Hardtberggarten der Privatbrauerei Ihring-Melchior.

Über den Dächern von Lich haben Spieler und Trainer der GIESSEN 46ers unterstrichen, dass sie nach oben wollen. Nicht nur per Fahrstuhl in den schmucken Hardtberggarten der Licher Privatbrauerei Ihring-Melchior, sondern mit „Leidenschaft, Motivation und der großen Unterstützung unserer fantastischen Anhänger“, wie es Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic gewohnt emotional formulierte, am Ende der Saison 2025/26 der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA auch in die Bundesliga. 

„Genau wegen dieser Aufbruchstimmung, die ich seit einigen Wochen verspüre, bin ich zu euch gekommen. Ich habe Kirchheim und Heidelberg ins Oberhaus geführt. In Gießen habe ich vor gut drei Jahren nicht unterschrieben, um in der Zweiten Liga in Rente zu gehen“, freute sich der 58-Jährige vor rund 120 geladenen Gästen bei der Saisoneröffnung „im Herzen der Natur“ auf die kommenden Monate. „Unsere Gesellschafter, die sehr seriös arbeiten, haben das Ziel BBL klar formuliert. Wir haben eine konkurrenzfähige Mannschaft, die zu vielem fähig sein wird.“

Ins gleiche Horn bliesen beim von Hähnchenschenkeln süß-sauer, Rohkost in Gläschen, Mozzarella-Sticks sowie Obstsalat abgerundeten Abend auch die Protagonisten. „Die Stadt hat uns sehr unterstützt und ihre zahlreichen Investitionen im Sommer mit der Installation der LED-Walls, die uns fantastische Möglichkeiten der Vermarktung bieten, abgeschlossen. Das hat uns sehr weitergeholfen. Dafür sind wir dankbar“, erklärte beispielsweise Geschäftsführer Guido Heerstraß. „Dass der defekte Rauchschutzvorhang dazu führt, dass wir zunächst einmal einige Reihen in der Osthalle sperren müssen, ist ein unglücklicher Umstand, zu dem weder wir noch die Verantwortlichen rund um Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher etwas können. Wenn alle nun mit Geschwindigkeit daran arbeiten, dass dieses Problem rasch gelöst wird, dann sehe ich der Saison sehr positiv entgegen.“

Auch Robin Benzing, inzwischen 15 Kilogramm leichter als noch vergangene Spielzeit, ließ sich vom wie immer souveränen und informativen Moderator Simon Schornstein einige wohlfeile Worte in Richtung Oberhaus entlocken: „Wir wollen aufsteigen“, hielt der Routinier nicht hinterm Berg. „Das wird schwer, das ist uns allen bewusst. Ich war schon mit Bayern München Deutscher Meister, das war wahrscheinlich einfacher. Doch wir haben die Tools, um oben mitzumischen und die BBL zu schaffen. In die gehören wir, in die gehört ganz Gießen!“ Der donnernde Applaus der Sponsoren, ohne deren „Leidenschaft und Herz“, wie es Licher-Geschäftsführer und Gastgeber Holger Pfeiffer formulierte, ein Aufstieg nie möglich wäre, war dem Capitano gewiss.

Doch auch andere aus dem Team hatten entweder die Lacher oder den anerkennenden Beifall hoch oben im Licher Hardtberggarten auf ihrer Seite. Wie Co-Trainer Nikola Stanic, der davon sprach, dass es wichtig sei, Visionen zu haben. Wie Kyle Castlin, der glaubhaft machte, seinen Vertrag verlängert zu haben, „denn nach dem Halbfinale im letzten Jahr hatte ich das Gefühl, dass meine Mission noch nicht beendet ist.“ Wie Jungprofi Kai Müsse, der zugab, dass für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen sei: „Als Kind habe ich die Spiele in der Osthalle im 46ers-Trikot verfolgt, nun bin ich ein Teil des Ganzen.“ Wie der zuletzt in Neuseeland aktive Till Gloger, der die grüne Gießener Lunge Schwanenteich schon mal mit dem Tschaikowski-Ballett „Schwanensee“ vertauschte. Wie Simon Krajcovic, der feixte, drei zusätzliche freie Tage in der Vorbereitung bekommen zu haben, weil er seine Katarina in der Nähe von Florenz vor den Traualtar geführt hatte. „So etwas ist sicher nicht in jedem Club möglich.“

Und vor allem wie Roland Nyama, der sein tiefstes Inneres vor versammeltem Publikum nach außen kehrte. „Das, was letzte Saison passiert ist, wollte ich so nicht auf mir sitzen lassen“, erklärte der 32-Jährige, warum er der Nationalmannschaft von Kamerun abgesagt und lieber einige Wochen komplett durchgezockt habe. „Ich hatte die eine oder andere Blessur und konnte nicht die Leistung bringen, die ich von mir erwarte.“ Nun stehe „das zwölfjährige Ich in mir“ jeden Morgen mit kindlicher Freude auf, um ins Training zu gehen. Starke Leistungen bei den Tests zuletzt gegen Nürnberg und in Hagen geben dem Familienvater recht.

Dass „Frenki“ Ignjatovic verkündete, er sei stolz darauf, dass sein Ziehsohn Robin Benzing, den er schon vor fast 20 Jahren in Langen unter seinen Fittichen hatte, seine Ernährung umgestellt habe und er ihn deshalb auch gerne als „Neuzugang“ bezeichne, rundeten einen höchst unterhaltsamen, aber auch äußerst informativen und irgendwie auch familiären Abend ab. „Doch Schluss jetzt mit dem Lob, aber heute gibt es nur noch Kritik.“ Was der 167-fache Internationale zu kontern wusste: „Du bist der beste Trainer, den ich kenne. Aber ab sofort sage ich dir wieder, was du besser machen kannst.“

Schließlich soll es für die GIESSEN 46ers nicht erst nach dem Abend über den Dächern von Lich nach oben gehen …

Letzte News