Erst die Alltagsarbeit, dann das Playoff-Vergnügen

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Gießen 46ers empfangen am Samstag das Team aus Koblenz zum Testlauf für die Saison-Crunchtime.

Der Knall aus Norddeutschland war auch in Mittelhessen zu hören. Ein sportlicher Knall mit fiesem Nachhall. Als Viktor Kovacevic beim Auswärtsspiel bei den Eisbären Bremerhaven gen Korb zog, wurde der beste Mann der Gießen 46ers an diesem Tag so unsanft gestoppt, dass der Big Man heftig aufs Parkett knallte. Danach hielt sich der Serbe mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hand und saß lange, lange Zeit auf der Bank. Erst in der Schlussphase kehrte Kovacevic aufs Feld zurück. Und der zuvor vor Spielfreude sprühende Mann vergab sichtbar gehandicapt die letzten beiden Freiwürfe der Mittelhessen, so dass es letztlich zur 68:71-Niederlage kam.

Bangen um Kovacevic

Damit steht fest, dass die Gießener als Tabellensiebter der 2. Basketball-Bundesliga ProA in der kommenden Woche ins Playoff-Viertelfinale gehen. Aller Voraussicht nach beim Rangersten und Topfavoriten Crailsheim. Und aus rotgefärbter Sicht: Hoffentlich mit Kovacevic.  „Viktor“, berichtet Branislav Ignjatovic, „konnte bislang nicht trainieren. Mit seiner Hand hat er keine Probleme, aber starke Schmerzen in Nacken, Kopf und Brust. Der Sturz hat so eine Art Schleudertrauma verursacht.“ Der Trainer kann nach diesem neuerlichen personellen Rückschlag nur lakonisch den Kopf schütteln: „Das passt einfach zu dieser Saison.“ Das passt zu einer Spielzeit, gegen die eine Achterbahnfahrt auf einem Kasino-Dach in Las Vegas als öder Langweiler daherkommt. Mit personellen Turbulenzen, Verletzungen, Rückschlägen und spielerischen Auferstehungen. „Ich“, sagt Ignjatovic dazu, „bin einfach nur super happy, dass wir die Playoffs überhaupt erreicht haben. Diese zu verpassen, wäre für einen Standort wie Gießen eine Katastrophe gewesen.“

Test für Playoffs

Doch erst die alltägliche Arbeit, dann das Playoff-Vergnügen: Am Samstag (19.30 Uhr) steht für die 46ers zunächst das Finale der Hauptrunde an. Dann gastieren die EPG Baskets Koblenz in der Osthalle. Tabellarisch ist die Partie ohne jede Bedeutung, da die Gäste einerseits den Klassenerhalt sicher und andererseits eben so sicher die Playoffs verpasst haben. Keinesfalls ohne Bedeutung ist die Begegnung allerdings für Trainerfuchs Ignjatovic: „Nachdem wir uns für die gute Leistung beim Spiel bei den Eisbären wieder einmal nicht belohnen konnten, wollen wir uns und vor allem unsere Fans am Samstag mit einem Sieg belohnen.“ „Frenki“ weiß zudem: „Das ist genau die richtige Generalprobe für die Playoffs. Und außerdem haben wir mit Koblenz noch eine Rechnung offen. Das Hinspiel haben wir mit einem Punkt verloren, weil wir am Ende den Ball verstolpert haben.“ Revanchegelüste in der Osthalle also.

Der Gegner

Revanchegelüste dürften auch bei den Gästen aus Koblenz vorhanden sein, die ihre eigenen Erwartungen in dieser Saison nicht vollständig erfüllen konnten. Top-Scorer Calvin Wishart (15,2 Punkte im Schnitt) wird aller Voraussicht nach nicht auf dem Parkett stehen, nachdem er während der laufenden Saison eigenständig seinen Wechsel in die BBL verkündet hat. Dennoch verfügt Koblenz über Qualität: Mit Julian Larry auf der Point-Guard-Position sowie Aleksa Kovacevic, der unter anderem mit 42 Punkten gegen die Artland Dragons ein echtes Ausrufezeichen gesetzt hat, bringt das Team genügend Offensivpower mit, um jedem Gegner gefährlich zu werden. Auch Timothy Smith zählt mit durchschnittlich 14 Punkten pro Spiel zu den prägenden Akteuren. Und am Samstagabend genau der richtige Kontrahent sein kann, der die 46ers auf die Playoff-Duelle ab kommender Woche vorbereitet. Vielleicht sogar der Widersacher, gegen den möglicherweise ein wieder fitter Viktor Kovacevic ein paar Einsatzminuten absolvieren kann.

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