Starke Verteidigung, kaum Ballverluste

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In 43 Pflichtspielen dieser Saison haben die GIESSEN 46ers 17 Profis eingesetzt / Ein Blick auf die Statistiken des Teams

 

Nein, Rot und Weiß, wie die Fans der GIESSEN 46ers ihr Team in der Osthalle oft voller Inbrunst besingen, waren nicht eben die dominierenden Farben in den Top-Ten-Statistiken des Unterhauses. Mal von den Leibchen der Paderborn Baskets, der Nürnberg Falcons, der RheinStars Köln oder der SBB Baskets Wolmirstedt abgesehen. Was nicht verwundert. Wer in der Hauptrunde der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA Siebter wird, der beherrscht nur höchst selten die Stats der Liga. Dennoch: Nach dem Ausscheiden des Altmeisters aus dem Playoff-Halbfinale lohnt sich ein Blick auf gar manches Zahlenspiel. Um einzuordnen, was gut oder was schlecht gelaufen ist.

 

Die Trainer

„Frenki“ Ignjatovic und sein Assistent Nikola Stanic wollten in die Playoffs; und haben dies auch im vierten Jahr ihres Wirkens zum vierten Mal geschafft. Bei 18:16-Siegen nach 34 Hauptrunden-Durchgängen allerdings mit ihrer schlechtesten Bilanz seit ihrem Wechsel an die Lahn. Schließlich standen 2022/23 (Platz vier) 21:13-Erfolge, ein Jahr später nach Hauptrunden-Rang zwei sogar bärenstarke 25:9-Siege und 2024/25 (Platz fünf) immerhin 23:11-Erfolge zu Buche. Unter dem Strich: Drei Playoff-Halbfinals (gegen die späteren Aufsteiger RASTA Vechta und Science City Jena sowie vor wenigen Tagen gegen die auf eine BBL-Bewerbung verzichtenden Kirchheim Knights) sowie ein Viertelfinale (1:3 gegen die PS Karlsruhe LIONS) konnten sich sehen lassen. Ebenso wie die Vier-Jahres-Bilanz, auf die die beiden Männer aus Belgrad stolz sein können. In 186 Pflichtspielen (ProA, Playoffs und BBL-Pokal) haben sie die Verantwortung beim fünffachen Deutschen Meister getragen. 121-mal verließen sie als Sieger, 65-mal als Verlierer das Parkett. Für Freunde des antiken Taschenrechners: Gießen hat nach dem Abstieg aus der BBL im Sommer 2022 65 Prozent aller Pflichtspiele gewonnen.

 

Die Mannschaft

Offense: 2876 Punkte (im Schnitt 85) auf der Habenseite bedeuteten für die 46ers im Offensiv-Ranking nach Abschluss der Hauptrunde Rang sieben. In den acht Playoff-Partien sank die Quote auf 83 Punkte pro Match.

 

Defense: Stark in der Verteidigung stellte Gießen mit 2714 Zählern (im Schnitt 80) hinter Crailsheim (2683) das zweitbeste Team. 83 Gegenpunkte waren es schließlich durchschnittlich in den Playoffs gegen Crailsheim und Kirchheim.

 

Dreier: Die Bilanz war ausbaufähig: Mit 30,9 Prozent (251 Treffer bei 812 Versuchen) landeten „Frenkis“ Jungs nur auf dem vorletzten Platz. Lediglich in Paderborn (30,1) war die Treffsicherheit aus Downtown noch mieser. In den Playoffs wurde es leicht besser (31,8), aber noch immer nicht zufriedenstellend.

 

Freiwürfe: Das nächste – allerdings kleinere – Problem der Männer von der Lahn. 73,9 Prozent heißen, dass neun Teams besser waren. In 34 Partien verwandelten sie 589 der 797 zugesprochenen Schüsse, ließen also 208 liegen. Pro Partie also mindestens sechs. In den Playoffs korrigierten sie diese Bilanz leicht nach oben (76,4).

 

Assists: Die einstigen Vorlagen-Könige der Liga sind auf Rang neun abgerutscht, was natürlich auch der durchschnittlichen Trefferquote geschuldet ist.

 

Rebounds: 381 Offensiv-Rebounds (elf pro Match) und 885 Defensiv-Rebounds (26 pro Match) reichen nicht nur jeweils, sondern auch in der totalen Statistik der eingesammelten Abpraller zu Rang neun. Zum Vergleich: Die langen Männer aus Crailsheim verbuchten 474 Offensiv-Rebounds, die aus Hagen und Kirchheim jeweils 946 defensive.

 

Ballverluste: Sie sind seit Jahren die Stärke des Altmeisters. 413, also zwölf in jeder Begegnung, bedeuten den zweitbesten ProA-Turnover-Wert hinter den VfL SparkassenStars Bochum (381).

 

Die Profis

17 Spieler hat Cheftrainer Branislav Ignjatovic in den 43 Pflichtspielen eingesetzt. Spielmacher Martin Junakovic absolvierte nur die ersten sechs Begegnungen, ehe er sich einer Hüft-OP unterziehen musste und in seine kroatische Heimat zurückkehrte. Der für ihn nachverpflichtete Devon Goodmann hielt nur 14 Partien durch, ehe ihn eine Knieverletzung außer Gefecht setzte. Center Domagoj Vukovic sortierte der Altmeister nach elf Partien aus, das Engagement von Abu Kigab dauerte sogar nur sechs Wochen. Und der von den Gießen Pointers im Doppelspielrecht nachgetragene Nejc Tevzic hatte nur zwei Kurzeinsätze. Bleiben also zwölf Profis, die bis zum Schluss durchhielten. Drei davon, nämlich Kyle Castlin, Simon Krajcovic und Kapitän Robin Benzing, standen in allen 43 Matches auf dem Parkett. Jonathan Maier, Till Gloger und Luis König Figge verpassten lediglich eine Partie, Daniel Norl nur deren zwei. Ein Blick auf die Höhepunkte jener zwölf Akteure, die sich bis in die Playoffs durchgekämpft haben …

 

Daniel Norl: Der aus Bremerhaven gekommene Deutsch-Amerikaner drehte spät auf. Playoff-Match vier gegen Crailsheim (21 Punkte, sieben Rebounds) entschied er fast im Alleingang. Generell erwiesen sich die Hohenloher als der Lieblingsgegner des 31-Jährigen, denn auch bei der Rückrunden-Niederlage (16) sowie beim ersten Viertelfinal-Heimerfolg (18) scorte Norl überragend. Ebenfalls stark: Acht eingesammelte Rebounds bei der schrecklichen 63:91-Packung in Playoff-Partie drei in Kirchheim.

 

Aiden Warnholtz: Getreu des US-Kinokrachers „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson drehte der in der Rückrunde in fünf Matches verletzt ausfallende Kanadier spät auf und glänzte erst in der finalen Kirchheim-Partie mit 21 Punkten. In 15 seiner 38 Pflichtspiele traf er zweistellig. Insgesamt war der 26-jährige Aiden Warnholtz mit 274 Punkten der sechstbeste 46ers-Schütze.

 

Adnan Arslanagic: Der Bosnier mit kroatischem Pass stand in elf Hauptrunden- und acht Playoff-Begegnungen auf dem Court. Fünfmal traf er zweistellig, am hochprozentigsten (18 Punkte) beim Heimsieg gegen die RheinStars Köln. Neun Assists beim Rückrunden-Heimsieg gegen die Kirchheimer „Ritter“ zeigten sein gutes Auge, sechs Rebounds zum Playoff-Start in Crailsheim zeugten von seiner überragenden Sprungkraft bei „nur“ 1,80 Metern Körpergröße.

 

Kyle Castlin: Mit 598 Punkten in seinen 42 ProA-Partien war der US-Boy aus Marietta/Georgia der beste Gießener Schütze, auch seine 235 Rebounds waren an der Lahn unschlagbar. Siebenmal markierte der 30-Jährige in der Vorrunde mehr als 20 Zähler, noch zweimal in der Rückrunde. In den Playoffs brachte „KC“ indes nur noch einen Schnitt von 6,6 Zählern zustande. Seine Saison-Höhepunkte: 35 Punkte bei der 100:107-Overtime-Niederlage im Artland, 13 Rebounds zu Hause gegen Tübingen und insgesamt sieben Double-Double.

 

Robin Benzing: Altes Eisen? Von wegen! Mit 488 Punkten (fast zwölf im Schnitt) und insgesamt 28 Partien, in denen er zweistellig traf, präsentierte sich der 37-Jährige „good in shape“. Ganz stark: 24 Punkte bei der Auswärtsniederlage in Düsseldorf gegen die RheinStars Köln und 23 beim 86:88 in Playoff-Match drei in Crailsheim. Außerdem: Sieben eingesammelte Abpraller beim Rückrunden-Heimerfolg über Paderborn.

 

Jonathan Maier: Bei seiner Abschiedstournee ließ es der mit 2,12 Metern längste Mann im 46ers-Kader mit elf Punkten in Münster und dreimal zehn (gegen Bayreuth und zweimal gegen Crailsheim) krachen. Außerdem top: Acht Rebounds (zweimal gegen Kirchheim, einmal gegen Bochum und einmal gegen Wolmirstedt). Mit 178 eingesammelten Rebounds war der 33-Jährige der zweitbeste Bällesammler der 46ers nach Kyle Castlin.

 

Luis König Figge: Der 29-Jährige lieferte in gut einer Viertelstunde pro Partie ausgeglichen bei knapp sechs Punkten und drei Rebounds. Gegen die fränkischen Teams aus Nürnberg und Bayreuth waren es als Saison-Höchstleistung jeweils 15 Zähler, gegen Münster und Göttingen brachte er es in seiner vierten Spielzeit in der Osthalle auf je sechs heruntergepflückte Abpraller. Und gegen Tübingen waren es auch mal vier Assists.

 

Kai Müsse: Der Nachwuchs-Center stand so gut wie immer im 46ers-Aufgebot, brachte es aber nur auf zwölf Einsätze. In denen er es bisweilen jedoch krachen ließ. Besonders in der Rückrunde. Beim Sieg in Bochum waren es sechs, in den Partien gegen Paderborn und Kirchheim jeweils fünf Punkte, die der 19-Jährige in seinen wenigen Einsatzminuten zum Gelingen beisteuern konnte.

 

Till Gloger: Ab der Rückrunde beziehungsweise ab jenen Partien, in denen er zur Starting Five gehörte, blühte der gebürtige Bochumer auf. Dreimal in der Vorrunde (unter anderem 21 Punkte in Nürnberg), aber neunmal in der zweiten Saisonhälfte sowie viermal in den Playoffs punktete der 33-Jährige zweistellig. Da Gloger auch insgesamt 136 Rebounds wegfischte und damit hinter Kyle Castlin und Jonathan Maier die Nummer drei in Gießen war, dürfen sich die Fans auf ein weiteres Jahr mit dem Ex-Rostocker in Gießen freuen.

 

Roland Nyama: Der Ex-Internationale Kameruns spielte in der abgelaufenen Saison nur noch die Rolle des Bankangestellten. Sechs Partien fehlte er verletzt, in neun Matches betrat er überhaupt nicht das Parkett, so dass seine insgesamt nur 28 Punkte und 16 Rebounds erklärbar sind. Saison-Highlight: Elf Zähler beim Heimsieg gegen Leverkusen und drei eingesammelte Rebounds bei den Erfolgen gegen Paderborn und zum Saisonstart in Kirchheim.

 

Viktor Kovacevic: Die Rückholaktion des Serben aus Bratislava war für Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic der entscheidende Faktor, „dass wir überhaupt in die Playoffs eingezogen sind.“ 16 Rückrunden-Partien und acht Playoffs absolvierte der Power Forward für Gießen, seine im Schnitt 26 Minuten, zehn Punkte und sechs Rebounds konnten sich sehen lassen. Bei zwei Niederlagen gegen Crailsheim und Kirchheim waren es für den 27-Jährigen je 18 Zähler, gegen Wolmirstedt (zwölf Punkte, 13 Rebounds) und Paderborn (15/10) glänzte Kovacevic jeweils mit einem Double-Double. In 13 seiner 26 Matches punktete er zweistellig.

 

Simon Krajcovic: Der Go-to-Guy der 46ers hatte eine sehr schwierige Saison. In nur zehn seiner 43 Pflichtspiele traf er zweistellig, beim 89:66-Erfolg in Karlsruhe steuerte er immerhin 24 Zähler zum Gelingen bei. Zur Heimniederlage gegen Crailsheim schaffte der Slowake ein Double-Double aus 13 Punkten und zehn Assists. Insgesamt waren es für den 32-Jährigen in seinen durchschnittlich 23 Minuten gut sieben Punkte und viereinhalb Assists, die er auf dem Scoreboard stehen hatte.

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