Mit dem Deutsch-Amerikaner Chris Carter wechselt ein Regisseur mit Siegermentalität zu den GIESSEN 46ers
Transfer-Coup? Dicker Fisch? Siegermentalität? Egal wie: Die GIESSEN 46ers haben für die Saison 2026/27 in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA einen Profi verpflichten können, der ihnen natürlich zwar nicht den Aufstieg garantiert, der aber zumindest für Aufsehen sorgen wird.
„Er ist einer der vielseitigsten Amerikaner mit deutschem Pass, die in den letzten Jahren in Deutschland aktiv waren“, ist „Frenki“ Ignjatovic glücklich, Chris Carter vom letztjährigen Bundesliga-Aufsteiger Science City Jena von einem Engagement in Mittelhessen überzeugt zu haben. „Er bringt jede Menge Erfahrung mit und ist sehr erfolgsorientiert. Es ist kein Zufall, dass er in den vergangenen Jahren mit vier verschiedenen Teams aufgestiegen ist“, weiß der Cheftrainer, dass die Karriere des 34-jährigen Point Guards meist auf der Sonnenseite des Basketballs verlaufen ist.
Was auch für das Privatleben des Mannes aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn gilt. Vergangene Woche brachte seine Frau Julia Töchterchen Lori Rayne zur Welt, so dass in den nächsten Wochen gleich drei Carters Thüringen verlassen und in Mittelhessen ihre Zelte aufschlagen werden. „Hoffentlich“, so Christopher John Carter, wie der Regisseur vollständig heißt, „für länger, denn wir alle möchten Gießen in den nächsten Jahren zu unserem Zuhause machen.“ Er habe sich die Stadt bereits angeschaut, es sei viel los an der Lahn, „es gibt richtig gute Restaurants. Ich freue mich auf einen Tapetenwechsel.“
Carter, hauptsächlich ausgebildet am Florida Institute of Technology, kam nach einer Spielzeit in Odessa/Ukraine im Sommer 2016 erstmals nach Deutschland. Bereits in seiner Premiere-Spielzeit gelang ihm mit BV Chemnitz 99 der Einzug ins ProA-Halbfinale, in dem nach fünf dramatischen Duellen (2:3) gegen die Oettinger Rockets Gotha allerdings Endstation war. Während die Westthüringer aufstiegen, wechselte Carter nach Niedersachsen und schaffte ein Jahr später mit RASTA Vechta die Qualifikation für die BBL. Den Klassenunterschied offensichtlich problemlos wegsteckend, gelang ihm mit Vechta als Aufsteiger sofort der Einzug ins Halbfinale, in dem der spätere Meister Bayern München allerdings dem Run der „Rastamänner“ ein Ende setzte.
Während es Carter nach den beiden Jahren bei RASTA zurück nach Chemnitz zog, beendete im März 2020 die Corona-Pandemie abrupt das laufende Spieljahr. Nach 27 Spieltagen mit nur zwei Niederlagen souverän an der Tabellenspitze thronend, erhielten die Sachsen das sportliche Teilnahmerecht für die BBL.
Chris Carter tauschte unterdessen das Chemnitzer Leibchen gegen das der Rostock Seawolves, für die er an der Seite des heutigen 46ers-Centers Till Gloger ab 2020 auf Korbjagd ging. Nach einer sportlich durchwachsenen und aufgrund der Pandemie ohne Zuschauer verlaufenden Saison kehrte im darauffolgenden Spieljahr 2021/22 mit den Fans auch der sportliche Erfolg zurück. Als verlängerter Arm von Seawolves-Coach Christian Held führte Carter die Hansestädter als Kapitän zum dritten BBL-Aufstieg seiner Karriere.
Till Gloger, der mit dem 34-Jährigen an der Ostsee drei Jahre aktiv war, erinnert sich gerne an seinen ehemaligen Mitstreiter: „Chris ist ein wahrer Teamspieler und in jeder Hinsicht ein Gewinn für unsere Mannschaft. Er hat ein sehr gutes Auge für seine Mitspieler und strahlt zudem enorme Korbgefahr aus. Mit seiner offenen, sympathischen Art passt er perfekt in unser Teamgefüge.“
Aufstieg Nummer vier glückte dem frischgebackenen Familienvater schließlich im Sommer 2025 durch ein 3:1 im Playoff-Halbfinale gegen die GIESSEN 46ers. In der an Dramatik kaum zu überbietenden Serie stand Carter im Schnitt 23 Minuten auf dem Feld, markierte zusammen 35 Punkte, sammelte zehn Rebounds ein und lieferte 15 Assists. An der Seite von Regisseur Zach Cooks war er einer der Leistungsträger im Team des ehemaligen Gießener Chefcoaches Björn Harmsen, die dafür verantwortlichen zeichneten, dass Jena und nicht die 46ers den Sprung ins Oberhaus schaffte.
In diesem gelang den Männern aus der Optikstadt der Klassenerhalt in einem dramatischen Saisonfinale durch ein 81:79-Erfolg nach Verlängerung am vorletzten Spieltag gegen Absteiger MLP Academics Heidelberg. Chris Carter stand in 33 der 34 BBL-Partien durchschnittlich 15 Minuten bei drei Punkten auf dem Parkett. Seinen Saison-Höchstwert verbuchte er bei der 81:102-Niederlage gegen Bamberg, als er fünf Dreier versenkte.
Nun also die GIESSEN 46ers, an denen der Deutsch-Amerikaner die Anhänger sehr schätzt: „Ich weiß aus meinen bisherigen Spielen, dass die Fans leidenschaftlich für ihr Team brennen. Den Menschen in der Stadt ist Basketball sehr wichtig. Das hat mir bei meinen bisherigen Auftritten in der Osthalle immer sehr imponiert. Ich brenne darauf, dass es endlich losgeht und dass ich die Fans in der Stadt treffen kann.“
Die Freude dürfte beidseitig sein, denn Carter bringt nach eigener Aussage nicht nur viel Erfahrung, sondern vor allem „Siegermentalität“ mit zum Altmeister. „Mein Ziel ist es natürlich, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen und dann zu sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die gesamte Organisation ein Team aufbaut, das schlagkräftig sein wird.“ Dieses Vorhaben hat bisher mit fünf deutschen Profis (Kai Müsse, Till Gloger, Luis König Figge, Robin Benzing und Chris Carter) einen vielversprechenden Anfang genommen.
„Chris ist ein absoluter Leader, der auf mehreren Positionen einsetzbar ist. Außerdem ist er ein äußerst angenehmer Mensch, mit dem es mir großen Spaß bereiten wird, jeden Tag in der Halle zu stehen“, verspürt Branislav Ignjatovic nur gut zwei Wochen nach der Verabschiedung seiner alten Mannschaft große Vorfreude auf die neue. Die für die 46ers durch die Verpflichtung von Chris Carter mit einem echten Transfer-Coup, mit einem dicken Fisch, mit einem Profi voller Siegermentalität aufwarten kann …


