Beim 86:80 in Göttingen feiern die GIESSEN 46ers den fünften Sieg in Serie, verlieren aber früh ihren verletzten Spielmacher Simon Krajcovic.
Am Weltfrauentag haben die GIESSEN 46ers im südlichen Niedersachsen ihren Mann gestanden. Und obendrein ihrem ursprünglichen Vereinsnamen „Männer-Turn-Verein“ (MTV) alle Ehre gemacht. Mit 86:80 (39:42) behielt der Altmeister am Sonntagnachmittag bei BBL-Absteiger BG Göttingen die Oberhand, feierte damit Revanche für die deftige Hinspiel-Packung sowie den fünften Sieg in Serie und ließ Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic erst einmal tief durchatmen: „Endlich haben wir auch mal gegen einen der großen Drei gewonnen“, freute sich der 59-Jährige diebisch, nachdem seine Jungs am 26. Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA in der Festung Sparkassen-Arena beide Punkte geklaut hatten.
Und dies nicht einmal unverdient. „Wir hatten heute unser Herz auf dem Parkett“, fasste Luis König Figge treffend die 40 vorherigen Minuten, in denen Gießen abermals in der Defense überzeugt und mit Leidenschaft agiert hatte sowie mit großem Selbstvertrauen aufgetreten war, zusammen. „Ich glaube, Göttingen kam uns gerade recht. Wir haben unser Momentum aufbauen können.“
Ein Momentum, das nach der Pleite von vor fünf Wochen in Leverkusen seinen Anfang nahm und geradewegs in die Playoffs führen soll. „Mit uns ist wieder zu rechnen, wir sind wieder da“, freute sich auch Till Gloger über eine Vorstellung voller Selbstbewusstsein, die auch keinen Einbruch erlebte, als Spielmacher Simon Krajcovic schon nach gut zwei Minuten und einem heftigen Zusammenprall mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld ging, nach kurzer Behandlungspause durch Physio Ronny Delius zwar noch einmal für einige wenige Augenblicke zurückkehrte, dann aber endgültig hinter der Bank Platz nahm, sich einen Sweater überstreifte und sein Zutun auf Anfeuerungen beschränkte. „Keine Ahnung, was passiert ist“, drückte der Slowake seine rechte Hand in die Hüfte. An diesem Montag wird er bei Teamärztin Petra Michel-Leutheuser vorstellig, um abklären zu lassen, was passiert sein könnte. Ausgang ungewiss …
„Die kürzere Rotation hat uns jedenfalls nicht geschadet“, beließ es Branislav Ignjatovic in Anbetracht des Fehlens des weiter eine Schiene an der rechten Wurfhand tragenden Kanadiers Aiden Warnholtz bei sieben Mann auf dem Parkett, da Jonathan Maier und Roland Nyama kaum Spielanteile hatten und die beiden Youngster Kai Müsse und Nejc Tevzic erst 25 Sekunden vor dem Ende beim Stande von 82:75 für Gießen aufs Parkett kamen. Es war nach einem harten Kampf voller Nickeligkeiten die Höchststrafe für die Göttinger „Veilchen“, die sich gegen Gießen Selbiges eingefangen hatten.
Dass BG-Coach Fabian Strauß später zornig darauf verwies, selten eine Partie erlebt zu haben, in der seine Mannschaft 34 Fouls aufgebrummt und insgesamt 43 Freiwürfe gegen sich bekommen hatte, juckte „Frenki“ Ignjatovic nicht die Bohne: „Ich habe gemerkt, dass Göttingen von der ersten Sekunde an gezittert hat. Wir mussten nur auf unsere Chance lauern.“
Was die 46ers routiniert und abgezockt auch taten. Als Göttingen 31:21 (12.) führte, brach keine Panik aus. Durch seinen ersten von vier Dreiern stellte Robin Benzing nur zwei Minuten später auf 31:34, ehe Viktor Kovacevic durch zwei verwandelte Freiwürfe Gießen beim 37:36 (17.) erstmals in Front warf. Auch beim 53:46 (23.) hatte die BG die Nase vorne, doch Energizer Luis König Figge, Viktor Kovacevic nach Steal von Robin Benzing und der ob des Ausfalls von Simon Krajcovic fast 27 Minuten lang geforderte Neuzugang Adnan Arslanagic, der per Buzzerbeater auf 61:56 (29.) stellte, hatten stets Antworten parat.
Als der Bosnier dann auch noch zwei Freiwürfe zum 63:56 (29.) versenkte, war Göttingen beeindruckt. Und angeknockt. Die Spielmacher Nils Schmitz, Daniel Kirchner und Jordan Sears mussten jeweils mit fünf Fouls gehen, so dass sich die GIESSEN 46ers nicht mehr die Butter vom Brot nehmen ließen. Als Daniel Norl ein spektakuläres Solo zum 70:68 (33.) vollendete, Robin Benzing einen Tempogegenstoß per And One zum 73:68 (34.) abrundete, der mit 27 Punkten überragende Marathon-Mann Kyle Castlin einen Dreier zum 78:72 (35.) in die Reuse schweben ließ und Robin Benzing abermals von jenseits der 6,75-Meter-Linie traf, sangen die rund 60 mitgereisten Fans „Super Gießen …“ und „Hier regiert der MTV …“ Am Weltfrauentag hatte sich ihr Ausflug ins südliche Niedersachsen mehr als gelohnt …
Weil Kyle Castlin und Robin Benzing zusammen mehr als die Hälfte aller Gießener Zähler besorgten. „Weil meine Jungs eine tolle Mannschaftsleitung gezeigt haben“, so Capitano Robin Benzing. Weil drei der vier Viertel an die Gäste gingen. Weil eine 30-prozentige Dreierquote über dem Saisonschnitt lag. Weil Daniel Norl einen Tag nach seinem 31. Geburtstag immer in die Bresche sprang, wenn „Frenki“ Ignjatovic seiner Neuerwerbung Adnan Arslanagic nach einem seiner fünf Ballverluste mal eine Zwangspause verordnete. Weil Viktor Kovacevic und Till Gloger unter den Brettern gegen die wuchtigen Robin Lodders und Hendrik Drescher ackerten wie die Berserker. Und weil Luis König Figge zwar früh einen ordentlichen Hieb ins Gesicht verpasst bekam, sich aber trotzdem in jedes Getümmel warf.
Dass die Gäste am Ende elf Freiwürfe liegengelassen und sportliche 16 Ballverluste produziert hatten, interessierte am Weltfrauentag, an dem sie wahrlich ihren Mann gestanden hatten, niemanden mehr.
Göttingen: Schmitz, Ramstedt (4), Sears (9), Kirchner (5), Drescher (15), Lodders (7), Nguyen (3), Mönninghoff (4), Jünemann (3), Jackson (12), Dreamer (6), Böhmer (13).
Gießen: Norl (2), Arslanagic (13), Tevzic, Castlin (27), Benzing (22), Maier (2), König Figge (8), Müsse, Gloger (7), Nyama, Kovacevic (5), Krajcovic.
UND SONST NOCH …
- Unsere Starter: Daniel Norl, Kyle Castlin, Till Gloger, Viktor Kovacevic, Simon Krajcovic.
- Unser ausdauerndster Profi: Kyle Castlin (37:40 Minuten).
- Unser stärkster Rebounder: Kyle Castlin (9).
- Unser erfolgreichster Passgeber: Adnan Arslanagic (5).
- Unsere höchste Führung: 84:75 (39. Minute).
- Unsere erfolgreichste Serie: 10:0 zum 73:68 (34. Minute).
- Unsere emotionalen Beobachter: 2721 Zuschauer in der Sparkassen-Arena Göttingen, davon 60 aus Gießen.
- Unser nächster Auftritt: Samstag, 14. März (19 Uhr), in der Osthalle gegen die Bozic Estriche Knights Kirchheim.

