Die Schlagzeilen in der ProA gehören den Eisbären Bremerhaven und den Tigers Tübingen.
Die Schlagzeilen der vergangenen Woche gehörten ausgerechnet einem, der eigentlich nicht im Mittelpunkt stehen möchte. Einem, der lieber durch Leistung auf dem Parkett als durch Worte hinter den Kulissen überzeugt. Einem, den viele Fans der GIESSEN 46ers, wo er ab 2017 viereinhalb Jahre unter Vertrag stand, heute noch nachweinen. Dass John Bryant im Frühjahr 2022 die Lahnstädter verlassen musste, sorgte für Aufsehen. Das der Center-Hüne nun auch wieder produziert. Doch der Reihe nach …
Mitte Januar gab Bryants neuer Arbeitergeber, der SYNTAINICS MBC, bekannt, dass der 38-Jährige den Club aus Sachsen-Anhalt verlassen muss. Sofort verlassen muss. Von disziplinarischen Verfehlungen war die Rede, der MBC warf ihm vor, zentrale Erwartungen an Professionalität und Zusammenarbeit nicht mehr erfüllt zu haben. „Wir hatten versucht, diese Dinge intern und einvernehmlich zu regeln. Es hat leider nicht funktioniert“, so Geschäftsführer Martin Geissler.
Big John Bryant, der inzwischen auf mehr als 500 Partien in der BBL zurückblickt, hatte vor dem Arbeitsgericht zunächst auf Weiterbeschäftigung geklagt. Eine Transferfreigabe sei vom MBC verweigert worden, hatten seine Anwälte mitgeteilt. Dem widersprach Geissler: „Wir haben uns nicht gegen eine Transferfreigabe gestellt.“ Im Basketball gebe es die Regelung, dass der aufnehmende Verein eine Transferfreigabe beim abgebenden Club anfragen müsse. „Eine solche ist nun erst bei uns eingegangen. Es spricht nichts dagegen, dass wir diese erfüllen“, betonte der MBC-Geschäftsführer am vergangenen Mittwoch bei einem Gütetermin in Halle.
Stunden später wurde bekannt, dass der Routinier künftig in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA für die Eisbären Bremerhaven auflaufen wird und diese zurück ins Oberhaus bringen soll. Wozu eine Spielberechtigung natürlich von Vorteil ist. Als diese endlich eintraf, nahm das Drama um John Bryant endgültig seinen Lauf. Denn noch ehe er am Sonntag im Auswärtsspiel bei den RheinStars Köln seine Premiere für die Nordseestädter geben konnte, verletzte sich John Bryant im ersten und einzigen Eisbären-Training, das er absolvieren konnte, offenbar schwer. Der Verdacht eines Achillessehnenrisses machte schnell die Runde. So schlimm scheint es offenbar nicht zu sein. „Der Mann steht auf zwei Beinen“, sagte Eisbären-Geschäftsführer Max Melching am Dienstag. „Das wäre bei einem Achillessehnen-Abriss wohl nicht möglich. Aber das MRT-Ergebnis steht noch aus. Ich gehe aber trotzdem davon aus, dass es etwas länger dauern wird, bis er wieder spielen kann.“
Zum Zeitpunkt von John Bryants Verletzung hatten sich die Eisbären, deren Coach Steven Esterkamp einst mit dem Kalifornier bei ratiopharm Ulm in einem Team stand, von ihrem Big Man Till Isemann bereits getrennt. Der Center, der vor eineinhalb Jahren von den Dresden Titans an die Nordsee kam, blieb jedoch nicht lange beschäftigungslos, denn die HAKRO Merlins Crailsheim meldeten sofort die Verpflichtung des gebürtigen Oldenburgers, der in seiner Heimatstadt schon für die EWE Baskets sowie danach in Bernau, Trier und Schwenningen aktiv war. „Wir freuen uns, dass sich Till trotz mehrerer Angebote für uns entschieden hat. Dass wir zu dem Zeitpunkt der Saison einen deutschen Spieler mit seiner Qualität dazubekommen, ist für uns ein Glücksfall. Till ist ein großer und physischer Spieler, der eine enorme Präsenz am Korb hat und dort auch gut reboundet. Daher sind wir überzeugt, dass er uns im Saisonendspurt helfen wird“, so Merlins-Headcoach David McCray über den Neuzugang.
Auch die Tigers Tübingen haben zuletzt für Schlagzeilen gesorgt; allerdings nicht auf dem Feld. Nach nur zwei Siegen aus den vergangenen 14 Partien und dem Absturz auf Tabellenplatz 14 stellten die Schwaben am Montag Cheftrainer Henrik Sonko frei. „Die sportliche Entwicklung sowie die Ergebnisse der vergangenen Wochen sind leider hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Nach intensiven Gesprächen haben wir uns daher gemeinsam mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit Sonko zu beenden“, sagte David Keckeis, General Manager der „Raubkatzen“, in einer Pressemeldung. Die Freistellung wurde dem 47-Jährigen am Sonntag und damit einen Tag nach der ernüchternden 66:84-Heimpleite gegen den BBC Bayreuth in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. „Er war über diese Entscheidung natürlich sehr enttäuscht“, so Keckeis. „Wir benötigen nun einen neuen Impuls, um den Klassenerhalt schaffen zu können.“ Der Schwede hatte das Amt in Tübingen Anfang dieser Saison übernommen. Es war seine erste Trainerstation im Ausland. Als Interimstrainer fungiert nun übergangsweise Sportdirektor Eric Detlev mit den bisherigen Co-Trainern Troy Culley, Philipp Braun und Athletiktrainer Benedikt Cords. „Er hat den Großteil des Kaders zusammengestellt und bereits in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt, dass er eine Mannschaft erfolgreich führen kann“, so Keckeis abschließend.
Die siegreichen Wagnerstädter indes besserten bei ihrem Kader kurz vor dem Ende der Wechselfrist gleich doppelt nach: Zum einen verpflichteten sie für den Aufbau Kyle Sturdivant, zum anderen holten sie den erst 19-jährigen ProB-Topscorer Jonathan Zeisberger. In dieser Saison lief Sturdivant für Cair 2030 in neun Partien der mazedonischen Superleague auf und erzielte am vergangenen Wochenende im Lokalderby gegen den Tabellenzweiten TFT Skopje 24 Punkte, sieben Rebounds und vier Assists. Im Schnitt kam er auf 16 Punkte, vier Assists und auch vier Rebounds. Zeisberger stand zuletzt für den TSV Oberhaching auf dem Parkett. In seinen bisherigen 18 Partien erzielte er im Durchschnitt 25 Punkte und sechs Assists. Mit insgesamt 448 Zählern ist er der Topscorer der gesamten ProB. In den restlichen Monaten wird Zeisberger in beiden Mannschaften, sofern es keine Terminüberschneidungen gibt, auflaufen.
Ihren Kader aufpoliert haben auch die VfL SparkassenStars Bochum, die mit dem deutsch-chilenischen Big Man Aitor Pickett einen physisch präsenten, vielseitigen Innenspieler mit internationalem Profil an Land gezogen haben. In der ProA hat sich Pickett in den vergangenen Spielzeiten bei den Bozic Estriche Knights Kirchheim als defensiver Spezialist und verlässlicher Energiebringer etabliert. Die Kirchheimer Verantwortlichen beschrieben ihn als „defensive Allzweckwaffe“, der sowohl auf Position vier als auch fünf gegen physische Center verteidigen kann und damit einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der „Ritter“ geleistet hat.
Personell turbulent geht es indes bei den PS Karlsruhe LIONS zu. Zunächst verständigten sich die „Löwen“ mit ihrem Forward Brandon Porter laut offizieller Pressemitteilung einvernehmlich darauf, den erst im November geschlossenen Vertrag vorzeitig aufzulösen. Dann mussten sie konstatieren, dass sich Danijel Ljubic, der Ex-Gießener Maurice Pluskota und Wesley Oba schwerer verletzt haben und ausfallen werden. Und schließlich präsentierten sie mit Jason George einen talentierten deutschen Forward für den restlichen Saisonverlauf. Der 24-Jährige startete stark in die laufende Spielzeit bei der BG Leitershofen/Stadtbergen in der ProB, wechselte im Dezember in die BBL nach Würzburg und wurde dort zuletzt durch eine Verletzung ausgebremst. Nachdem er wieder einsatzfähig ist, nutzt er nun die Chance, in der ProA zurück in seinen Rhythmus zu finden.
Und dann sind da noch die EPG Baskets Koblenz, bei denen sich Garrett Hicks Ende Januar im Training eine Muskelbündelverletzung zugezogen hatte. Er wird bis zum Ende der Saison ausfallen. Inzwischen hat sich der US-Pointguard dazu entschlossen, das Reha-Programm in seiner Heimat durchzuführen. Hicks hatte für ein Jahr bei den EPG Baskets unterschrieben und wurde Anfang des Monats bereits durch Julian Larry (Uni Baskets Münster) ersetzt.


