(Foto: Laurin Sondermann)

Die richtige Reaktion

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Eine Woche nach der Ernüchterung von Düsseldorf überzeugen die GIESSEN 46ers vor allem in der Defense beim 95:84-Erfolg über den BBC Bayreuth.

Luis König Figge stimmte die Humba an. Daniel Norl signierte Spieltags-Plakate. Robin Benzing herzte seine Tochter Ainhoa. Aiden Warnholtz stand für Selfies bereit. Jonathan Maier umarmte den unter der Woche aussortierten Domagoj Vukovic, der sich noch schnell ein Auto gekauft hatte, um Anfang dieser Woche in seine kroatische Heimat zurückkehren zu können, herzlich. Und Kyle Castlin stimmte in die Fan-Gesänge ein, obwohl er wahrscheinlich keinen Brocken verstand: Ausgelassenheit und Erleichterung dominierten das Szenario am Sonntagnachmittag in der richtig gut besuchten Osthalle, „die uns“, so Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic, „immer dann am lautesten unterstützt hat, als wir sie so dringend gebraucht haben.“ 

Weshalb auch niemand jene Steine hatte purzeln hören, die dem gesamten Team der GIESSEN 46ers von den Herzen plumpsten, als der 95:84 (51:37)-Erfolg am zwölften Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA gegen den BBC Bayreuth, der den Altmeister auf Platz sechs springen ließ, endlich unter Dach und Fach war. Nach einer schwierigen Woche, die sich die Männer von der Lahn mit der 76:92-Abreibung acht Tage zuvor in Düsseldorf gegen Aufsteiger RheinStars Köln allerdings selbst zuzuschreiben hatten. 

„Heute hatten wir endlich wieder die Energie, die notwendig ist, um am Ende einer Saison auch in die Playoffs einziehen zu können“, lobte Capitano Robin Benzing den „soliden Auftritt“ seiner Jungs. „Die Reaktion nach der Auswärtsniederlage hat gestimmt.“ Luis König Figge hatte eine „große Energieleistung“ der Hausherren gesehen. Till Gloger, dem die gestiegene Verantwortung nach der Vukovic-Demission sichtlich Auftrieb verlieh, sprach von einer „starken Vorstellung unseres gesamten Teams“ und einem „Start-Ziel-Sieg.“ Und „Frenki“ Ignjatovic lobte angesichts „überschaubarer Quoten“ die „große Qualität“, die die Mannschaft besitze.

Recht hatten alle Protagonisten, die sich die bescheidene Vorstellung vom Gastspiel am Rhein mit einem besonders defensiv äußerst engagierten Auftritt einigermaßen aus den Knochen schüttelten. Kyle Castlin, der vorne nur zwei seiner acht Würfe traf, klebte wie eine Klatte am in der Vorwoche noch 31 Punkte produzierenden Moritz Plescher. Und als KeVaughn Allen mit einigen erfolgreichen Dreiern versuchte, Gießen in die Suppe zu spucken, beorderte Branislav Ignjatovic seinen Topscorer kurzerhand zu dessen US-Landsmann, der in der Folge immer mehr den Spaß an einer Aufholjagd verlor.

Da auch Luis König Figge, wie gedopt nach seiner erstmaligen Nominierung für die Starting Five, überall seine Finger im Spiel hatte und Jungs wie Teheree Horn oder Rayshawn Mart damit mächtig nervte, Regisseur Simon Krajcovic im Bodenkampf mehrfach die Oberhand behielt und hernach die Stehtribüne zum Ausrasten aufforderte, Jonathan Maier mit zehn Punkten und sieben Rebounds nur knapp an einem Double Double vorbei schrammte, Till Gloger gegen Nat Diallo, den am Freitag neuverpflichteten Niederländer Willem Brandwiijk und gegen Lenny Liedtke Stabilität bewies und auch Daniel Norl, der ohne eigenes Foul blieb, sich mehrfach nach oben schraubte, um die lange BBC-Garde zu beeindrucken, lag das defensive Momentum eindeutig auf Seiten der 46ers.

„Heute ging es nur über den Kampf und eine stabile Defense“, freute sich Ignjatovic über einen Start-Ziel-Sieg, für den seine Jungs mit einem 12:0-Run zu Beginn die Grundlage geschaffen hatten. Als die Wagnerstädter erstmals punkteten, war die Uhr schon 260 Sekunden lang in Betrieb. Als Robin Benzing heiß lief, dem zweiten Abschnitt mit zwölf Punkten seinen Stempel aufdrückte und ganz nebenbei drei Würfe aus Downtown einschweben ließ, war aus dem 30:28 (14.) ein 41:31-Vorsprung (16.) geworden. 

Als Luis König Figge einen Fehlwurf von Kyle Castlin per Tip-In zum 43:31 (17.) bereinigte, stand die Halle Kopf. Und als Jonathan Maier seinem Center-Kollegen Nat Diallo einen schon sicher geglaubten BBC-Korb wegpflückte, stand selbst Domagoj Vukovic auf der Tribüne unterhalb des VIP-Raums auf, um zu applaudieren. Der 51:37-Halbzeitstand, zu dem Lui König Figge und Kyle Castlin von der Freiwurflinie noch das Ihre beigetragen hatten, schien schon die halbe Miete zu sein.

Doch weit gefehlt. Bayreuth startete in die zweite Hälfte mit einem 13:0-Lauf, der jedoch nie an die 0:21-Bruchlandung der 46ers vor zwei Monaten gegen Hagen erinnerte, da Gießen immer weiter Selbstbewusstsein ausstrahlte. Ein Solo von Robin Benzing zu den ersten Gießener Zählern nach der Pause (53:50) ließ zwar fast fünf Minuten auf sich warten. Da hernach aber Aiden Warnholtz mit zwei Dreiern aufwartete, Till Gloger einen bärenstarken Pass von Robin Benzing zum 66:55 (27.) verwertete und Kyle Castlin endlich seine ersten Feldpunkte gelangen (72:64, 30.), waren die Kräfteverhältnisse bald wieder geradegerückt.

„Gießen hat viel Erfahrung und Qualität. Sie haben die Schwächen meiner jungen Mannschaft, die Foultrouble hatte und deshalb auch 30 Gegenpunkte von der Freiwurflinie kassierte, gnadenlos ausgenutzt“, zog BBC-Übungsleiter Florian Wedell ein ehrliches Fazit. Zwar kamen seine Jungs im Schlussabschnitt nochmals bis auf sechs Punkte (70:76, 32.) heran, doch ließen Luis König Figge aus dem Nirwana zum 83:71 (34.), Kyle Castlin, der sich an Willem Brandwijk zum 85:76 (36.) hochschraubte, und Robin Benzing, der ein Solo per Dunk beendete (93:79, 38.), keine Zweifel am späteren Sieger mehr aufkommen.

„Endlich waren wir vom Anfang bis zum Ende konzentriert“, freute sich „Frenki“ Ignjatovic wie Bolle über das erste von vielleicht mehreren vorweihnachtlichen Präsenten. Schließlich stehen für die 46ers vor Heiligabend noch zwei Partien bei den Artland Dragons und gegen die BG Göttingen, aber auch noch personelle Veränderungen ins Haus. Die GIESSEN 46ers blicken also der nächsten aufreibenden Woche entgegen.

Gießen: Norl (9), Warnholtz (8), Goodman (7), Castlin (9), Benzing (19), Maier (10), König Figge (15), Gloger (10), Nyama, Krajcovic (8).

Bayreuth: Horn (12), Mart (15), Plescher (8), Diallo (6), Rahming (2), Ikejiaku (5), Allen (22), Kovalov (3), Brandwijk (11), Nauthon, Liedtke. 

UND SONST NOCH …

  • Unsere Starter: Kyle Castlin, Robin Benzing, Jonathan Maier, Luis König-Figge, Simon Krajcovic.
  • Unser Konditions-Wunder: Kyle Castlin (34:18 Minuten).
  • Unser stärkster Rebounder: Jonathan Maier (7).
  • Unser erfolgreichster Passgeber: Simon Krajcovic (9).
  • Unsere höchste Führung: 45:31 (18. Minute).
  • Unsere erfolgreichste Serie: 12:0 zum 12:0 (4. Minute).
  • Unsere emotionalen Beobachter: 2372 Zuschauer in der Osthalle.
  • Unser nächster Auftritt: Samstag, 20. Dezember (19.30 Uhr), bei den Artland Dragons.

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