Kyle Castlin vor dem Crailsheim-Match über das bisher Erlebte, den Rest der Saison, seine Zukunft und seine in Belgien lebende Freundin.
Wenn „Frenki“ Ignjatovic über Kyle Anthony Castlin redet, dann gerät er regelmäßig ins Schwärmen. Der Cheftrainer spricht davon, der US-Boy sei sein „Go to Guy“, also sein Profi, der in engen und wichtigen Situationen Verantwortung übernimmt. „Das wissen auch die anderen Jungs, das akzeptieren sie.“ Der 29-Jährige sei sein „verlängerter Arm auf dem Parkett“, sie beide verbinde ein Vater-Sohn-Verhältnis, „KC“, wie ihn alle im Club nur rufen, trage „die größte Verantwortung auf dem Feld“.
Der Shooting Guard aus Marietta/Georgia sei darüber hinaus in jedem Training der Erste, der die Halle betrete, und der Letzte, der sie verlasse. „Good in shape“ sei eine Charakterisierung, die auf den aktuell siebtbesten Scorer der Liga zutreffe wie auf kaum einen anderen. „Und“, so Branislav Ignjatovic, „KC ist sehr religiös. Das passt zu mir …“
Wenige Stunden vor dem Gipfeltreffen des 30. Spieltags in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA am Samstag (19 Uhr) gegen die HAKRO Merlins Crailsheim spricht Kyle Castrlin über die Verfassung der Mannschaft, vor allem aber über seine Pläne.
KC, letztes Jahr im Sommer hast du dich erstmals in deiner Karriere dazu entschieden, ein zweites Jahr bei einem Club dranzuhängen. War es die richtige Entscheidung? Und wenn ja, warum?
Castlin: „Ja, korrekt, es war in der Tat das erste Mal, dass ich ein zweites Jahr für einen Club spiele. Und ja, es war die absolut richtige Entscheidung. Ich hatte einige andere interessante Optionen, aber Gießen war die für mich beste. Wir haben die guten Spieler aus der vergangenen Saison behalten können, das hat mir imponiert. Diese Saison ist natürlich noch nicht perfekt verlaufen. Aber das Allerwichtigste ist es, die besten Leistungen zur richtigen Zeit zu liefern. Und diese Zeit ist gerade angebrochen. Wir stehen derzeit auf Platz sieben und werden alles dafür tun, die Playoffs zu erreichen und dann auch dort stark zu spielen. Wir haben eine starke Truppe, die zu allem fähig ist. Und meine Mission, das habe ich bereits im Sommer gesagt, ist noch lange nicht erfüllt.“
Wie sieht deine Erklärung für die bisher nicht optimal verlaufende Saison aus?
Castlin: „Wir hatten anfangs personelle Probleme. Da lief es vor allem in der Offense eher durchwachsen. Bei unserer letzten Serie von sechs Siegen in Folge haben wir aber gezeigt, was wir können. Die letzten beiden Niederlagen waren ärgerlich, aber auch in Hagen haben wir gezeigt, dass wir mit den Spitzenmannschaften mithalten können. Die Zeit ist einfach reif für gute Gegner, die Zeit ist reif für die Playoffs.“
Was ist drin für die GIESSEN 46ers in dieser Runde?
Castlin: „Ich bin Sportler, ich will immer gewinnen. Deshalb sage ich auch ganz klar: Ich denke, dass noch fünf Siege bis zum Hauptrunden-Ende möglich sind. Klar können wir auch alle fünf verlieren (lacht). Das sind Aufgaben gegen mögliche Playoff-Teams wie Crailsheim oder Bochum, die wir allesamt sehr seriös und sehr konzentriert angehen müssen. Denn wenn wir nicht unseren besten Basketball zeigen, werden wir diese Spiele verlieren. Es gibt keine bessere Zeit, als jetzt endlich zu zeigen, dass wir für die Playoffs bereit sind.“
Und was könnte für die 46ers in den Playoffs noch gehen?
Castlin: „„Ich bin ein optimistischer Mensch. Ich spiele schon so viele Jahre in der ProA und weiß, dass gerade in den Playoffs große Überraschungen passieren können. Da spielt es nicht mehr die geringste Rolle, wie die Saison zuvor verlaufen ist. Wir haben beispielsweise zweimal in dieser Spielzeit gegen meinen alten Club aus Hagen verloren, aber seit diesen Partien weiß ich, dass wir sie schlagen können. Wir können tatsächlich jeden in den Playoffs besiegen, wir müssen nur an uns glauben.“
Kannst du dir vorstellen, auch eine dritte Saison in Gießen dranzuhängen?
Castlin: „Ich habe gelernt, dass es im Sport nichts bringt, in die Zukunft zu schauen. Es ist aber kein Geheimnis, dass ich in der Bundesliga spielen will. Deshalb bin ich im Sommer nach Gießen zurückgekehrt, um der ganzen Organisation bei der Rückkehr in die BBL zu helfen. Ob ich noch ein drittes Jahr hierbleibe, ist meine eigene Entscheidung. Und nicht die meines Beraters oder anderer Leute.“
Deine Freundin spielt in Belgien Basketball. Wäre es für dein Verbleiben hilfreich, vielleicht die Bundesliga-Frauen des BC Marburg von ihrer Verpflichtung zu überzeugen?
Castlin: „Natürlich wäre es schön, wenn sie hier wäre. Aber ich weiß überhaupt nichts über das Niveau der deutschen Frauen-Bundesliga. Und meine Freundin ist eine wirklich gute Spielerin.“


