Eine Woche voller Emotionen

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Nach Aussprachen, Geburtstagen, dem Fantreffen und einem Abschied wollen die 46ers am Sonntag gegen Bayreuth wieder in die Spur finden.

Erst die aufgebrachten, am Ende aber auch tanzenden und singenden Fans inmitten schwer enttäuschter Spieler spätabends in einem wenig schmucken Industriegebiet im Düsseldorfer Südosten. Dann eine schonungslose Analyse der Geschehnisse rund um die 76:92-Niederlage als Gast der RheinStars Köln. Hernach die Geburtstage von Center Jonathan Maier und Co-Trainer Nikola Stanic. Dazwischen das Fantreffen bei Glühwein und Gebäck am Office in der Grünberger Straße, das Kapitän Robin Benzing als „erfrischenden Austausch in schwierigen Zeiten“ bezeichnete. Und schließlich die Trennung von Big Man Domagoj Vukovic, der sich herzzerreißend von seinen Teamkameraden verabschiedete, von einer „aufregenden Zeit“ sprach, sich unter dem Strich aber freute, dass „ich meine Familie nun doch früher als geplant wiedersehen kann“: Die acht Tage zwischen Rhein, Lahn und Main waren für die GIESSEN 46ers geprägt von großen Emotionen. 

Emotionen, die am Sonntag (15 Uhr), wenn der BBC Bayreuth zum zwölften Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA in der Osthalle seine Visitenkarte abgibt, natürlich wie immer auch auf den Rängen zu spüren sein sollen. „Wir haben uns in die Augen geschaut, alles angesprochen, uns hinterfragt, hart gearbeitet und uns schließlich geschworen, dass es so eine leblose erste Halbzeit wie vergangenen Samstag nicht mehr geben darf“, ist sich Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic nach einem der dürftigsten Auftritte seiner inzwischen dreieinhalbjährigen und 135 Partien andauernden Amtszeit sicher, „dass wir künftig besser verteidigen werden.“ 

52 Gegenpunkte zur Halbzeit bei einem Aufsteiger waren inakzeptabel und erinnerten fatal an die 60 beim 82:106 in Crailsheim, als der Altmeister beim ersten von zwei Auftritten dieser Spielzeit so gut wie chancenlos war. „Das wird uns nicht mehr passieren!“ Denn: „Die Defense muss funktionieren, wir müssen hart verteidigen und uns gerade im Eins-gegen-Eins cleverer verhalten“, so der 59-Jährige. Über die Offensive rede er schon gar nicht mehr mit seinen Jungs, „sonst fangen sie an zu überlegen und bekommen zittrige Hände.“ Gegen den BBC Bayreuth gelte es, „unsere Energie und Leidenschaft aus dem Training abzurufen“, so Robin Benzing. „Irgendwann wird es dann auch gelingen, dass wir uns aus diesem Tief wieder herauskämpfen.“

Ein Tief, das bislang fast ausschließlich in der Fremde auftrat. Zu Hause gewannen die 46ers vier ihrer fünf Partien und unterlagen nur unglücklich Tabellenführer Phoenix Hagen, so dass Gießen auf Rang neun liegend noch immer die Playoffs vor Augen hat. „Erst nach Weihnachten sollten wir uns zusammensetzen und beratschlagen. Dann wird sich zeigen, ob wir unsere Ziele für dieses Jahr neu zu definieren haben oder nicht.“ Also nach den Heimauftritten am Sonntag gegen den BBC Bayreuth und gegen BBL-Absteiger BG Göttingen einen Tag vor Heiligabend sowie nach den Gastspielen bei den Artland Dragons kommenden Samstag sowie bei den Nürnberg Falcons am 26. Dezember. 

Zunächst einmal also warten die Wagnerstädter auf die 46ers, die nach ihrem Bundesliga-Abstieg zwölf Monate nach dem 46ers in der Osthalle noch nichts zu ernten hatten. 98:74 und 100:72 gewannen die Männerturner beide Partien gegen die Oberfranken, die mit nur vier Siegen aus den ersten elf Partien auch in diesem Jahr eher nach unten denn nach oben schauen. Nur bei den Paderborn Baskets (94:73) war die Truppe von Coach Florian Wedell siegreich, in Bremerhaven, Hagen und Nürnberg setzte es Niederlagen, die teilweise allerdings knapp ausfielen.

Insgesamt weisen die 46ers laut BBC-Vereinshistoriker Dr. Peter-Michael Habermann eine negative Bilanz gegen Bayreuth aus: In bislang 87 Begegnungen, von denen 76 im Oberhaus stattfanden, behielten die Männer vom Roten Main 44-mal die Oberhand, 32-mal verließ Gießen das Feld als Sieger.

„Sie sind besser, als es ihr momentan 13. Rang vermuten lässt“, ist sich „Frenki“ Ignjatovic sicher, mit den Oberfranken keine Laufkundschaft in der Osthalle zu empfangen. Schließlich hat der Deutsche Meister von 1989 einige herausragende Akteure in seinen Reihen. Allen voran Guard Moritz Plescher, der zuletzt beim 91:77-Heimsieg über die Bayer Giants Leverkusen neun von 14 Dreiern versenkte, insgesamt auf 31 Punkte kam und auch noch sieben Rebounds einsammelte. „Ein überragender Wert“, so „Frenki“ Ignjatovic anerkennend. 

Ihm im Aufbau zur Seite steht Tehree Horn, der auch in seiner zweiten Spielzeit beim BBC stets zweistellig punktet. Auch Kevaughn Allen kommt im Schnitt auf zwölf Zähler; bei der Niederlage gegen Göttingen waren es gar 25. Der für den verletzten Taje Kelly nachverpflichtete ukrainische Center Artem Kovalev räumt zusammen mit Nat Diallo (beide im Schnitt sechs Rebounds) unter den Brettern auf. Und von draußen sind Rayshawn Mart, Cantia Rahming und Lenny Liedtke zu beachtende Schützen eines stets auf die Tube drückenden Bayreuther Teams, das den 46ers alles abverlangen wird. Am Ende einer Woche, die von großen Emotionen geprägt war.

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