(Foto: Alexander Mihm)

„Endlich mal Weihnachten mit der Familie“

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46ers-Center Jonathan Maier beendet seine Karriere / Hier redet er über seine Bucket List, Familienplanung und die Nachteile von 2,11 Metern.

Irgendwann ist’s gut. Wenn es zwickt und drückt, wenn der Physio dein bester Freund ist, wenn sich morgens beim Aufstehen Körperteile melden, die auch ein Profi noch nicht kannte, dann naht das Karriereende. Allemal, wenn privat alles stimmt und der weitere berufliche Weg vorgezeichnet ist. So wie bei Jonathan Maier. 

15 Jahre hat der Center des Basketball-Zweitligisten GIESSEN 46ers in Liga eins (für EnBW Ludwigsburg, ratiopharm Ulm und den Mitteldeutschen BC) und zwei (für die Kirchheim Knights, die Nürnberg Falcons und eben die Lahnstädter) auf dem Buckel. 15 Jahre lang hat der heute 33-Jährige viel erlebt: 49 BBL-Partien, 362 Matches einschließlich der Playoffs in der ProA, dazu Testspiele, neun Einsätze im Eurocup und einige mit der A2-Nationalmannschaft. Rund 500 Partien seit 2011 dürften es locker gewesen sein. Von jenen in der Nachwuchs-Bundesliga sowie denen mit dem Ulmer Farmteam aus Weißenhorn mal ganz zu schweigen.

An diesem Samstag (19.30 Uhr) gegen die EPG Baskets Koblenz bestreitet der 2,11-Meter-Hüne nicht eben sein letztes Match für den Altmeister, zu dem er vor drei Jahren gekommen ist, zumindest aber seine letzte Hauptrunden-Begegnung. Grund genug, die eineinhalb Jahrzehnte andauernde Karriere zusammen mit dem Schwaben noch einmal Revue passieren zu lassen. Und Jonathan Maier reden zu lassen über …

… richtige und falsche Schritte in 15 Jahren Profi-Basketball: Unter dem Strich bin ich zufrieden und glücklich, wie alles gelaufen ist. Ich hatte viele gute Jahre und durfte sogar international spielen. Das ist nicht jedem vergönnt. Ans College in die USA zu wechseln, wäre zwischenzeitlich für mich eine Option gewesen, ich habe mich allerdings damals für einen Wechsel nach Ulm entschieden, was nicht falsch war. Rückblickend hätte ich mir den Wechsel zum MBC sparen können. Dort habe ich mich körperlich nicht gut gefühlt.

… rückblickend Unerreichtes bzw. Vollendetes: Irgendwie besteht meine Laufbahn aus einem bisschen was von beidem. Unerreicht ist bisher ganz klar die Bundesliga-Rückkehr mit den 46ers, daran arbeiten wir zurzeit noch. Dass ich zweimal Vizemeister in der ProA geworden bin und mit Ulm sogar im Pokalfinale gestanden habe, war stark. Außerdem hatte ich in Nürnberg viele gute Jahre und habe das Team sogar als Kapitän aufs Feld führen dürfen.

… das Gefühl, am Anfang und am Ende einer Karriere mit „Frenki“ Ignjatovic zusammengearbeitet zu haben: Ich habe fünf Jahre mit ihm zusammengearbeitet, das ist schon eine lange und prägende Zeit gewesen. Und dass ich vor drei Jahren nach Gießen gekommen bin, hatte natürlich auch mit ihm zu tun. Ich werde ihn, insbesondere aber den Basketballsport, vermissen.

… die GIESSEN 46ers Mitte Juni: Wenn die Saison zu Ende ist, möchte ich mich daran erinnern, dass wir das Bestmögliche herausgeholt haben. Wir alle sollten auseinandergehen in dem guten Gefühl, alles für den Erfolg, wie auch immer der aussehen mag, getan zu haben. Menschlich und sportlich. Wir müssen mit dem Wissen, den Fans Freude bereitet zu haben, in die Pause gehen. So wie im letzten Jahr Begeisterung zu vermitteln, muss unser oberstes Anliegen sein.

… seinen fließenden Übergang vom sportlichen Parkett zur Arbeit am Schreibtisch: Dass mir dieser in Gießen gelungen ist, freut mich natürlich sehr. Ursprünglich wollte ich nach meinem Wechsel von Nürnberg nach Gießen nur noch ein Jahr spielen, dann hatte ich aber einen solchen Bock, dass daraus drei geworden sind. Ich merkte aber schnell, dass ich neben dem Sport noch etwas anderes, eine Arbeit, brauchte, um glücklich zu sein. Dass Abbott dafür Verständnis hatte und mich eingestellt hat, war klasse.

… Commercial Excellence: Das, was ich als studierter Wirtschaftswissenschaftler nun bei Abbott mache, klingt kompliziert, ist es aber nicht: Kurz gesagt ist es Außendienststeuerung. Ich bin dafür verantwortlich, Kunden zu segmentieren und das CRM-System zu betreuen.

… eine Sommerpause ohne Basketball: Meine Frau Janine ist schwanger, wir erwarten im September ein Baby. Da erklärt es sich von allein, dass wir nicht allzu viel mehr unternehmen werden. In erster Linie gilt es, zu Hause alle Vorbereitungen für unser drittes Familienmitglied zu treffen.

… die Vor- und Nachteile einer Körpergröße von 2,11 Metern: Den Überblick zu haben, schadet nie. Meine 116 Kilo, die eine solche Größe mit sich bringen, sorgen natürlich immer mal wieder für Probleme. Die Knie tun weh, die Gelenke schmerzen. Mit Bus oder Bahn zu fahren, ist auch nicht gerade angenehm. Und die richtigen Klamotten zu kaufen, ist auch nicht einfach.

… eine Bucket List, die es langsam mal abzuarbeiten gilt: Da fällt mir spontan ein, dass ich mich darauf freue, endlich mal Weihnachten mit der Familie im Schwarzwald verbringen zu können.

… die private Lebensplanung: Gießen ist zu unserem Lebensmittelpunkt geworden, weil ich ja auch in Wetzlar arbeite und meine Frau unweit unserer Wohnung in einer Zahnarztpraxis eine Anstellung gefunden hat. Außerdem haben wir viele Freunde hier. Ich habe keine konkreten Pläne, kann aber natürlich auch nicht ausschließen, dass wir irgendwann einmal in meine Heimat zurückkehren.

Und was sagt Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic über Jonathan Maier? Der 59-Jährige ist natürlich voll des Lobes: „Er ist kein Selbstdarsteller, keiner, der sich ständig in den Vordergrund rücken muss. Profis wie ihn mögen Trainer. Jonathan ist beliebt, im Verein, bei den Fans, vor allem aber auch bei seinem Mannschaftskollegen. Er ist ein toller Mensch und ein super Sportler, der bei uns alle Erwartungen erfüllt hat. Erst, wenn er nicht mehr auf dem Parkett steht, werden wir merken, welch große Lücke er hinterlassen hat. Für mich wird es immer eine Ehre gewesen sein, mit ihm zusammengearbeitet zu haben.“

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