Beim Doppelspieltag in der Wetzlarer Buderus Arena wollen die 46ers gegen Nürnberg an ihre letzte kleine Erfolgsserie anknüpfen.
Erst Comedy, dann Ballsport zwischen Toren und auf Körbe: Dass die Besucher der Buderus Arena an diesem Donnerstag mit Bülent Ceylans Programm „Diktatürk“ ihren Spaß haben werden, ist verbürgt. Ob die HSG Wetzlar tags darauf im Kellerduell der Handball-Bundesliga gegen den SC DHfK Leipzig und am Samstag die Basketballer der GIESSEN 46ers gegen die Nürnberg Falcons den Zuschauern viel Freude bereiten werden, hängt allein von der Verfassung der Protagonisten ab.
Fest steht jedenfalls: Nach zuletzt zwei Siegen gegen die Tigers Tübingen (92:69) und bei den SBB Baskets Wolmirstedt (92:88) will der Altmeister im Rahmen des Doppelspieltags mit den Rollstuhlbasketballern des RSV Lahn-Dill (20 Uhr gegen Wiesbaden) alles dafür tun, um die wahrscheinlich rund 3500 Besucher in der Wetzlarer Buderus Arena zu begeistern und sich vor der Länderspielpause auf einem Playoff-Rang in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA festzusetzen.
Während Rolli-Manager Andreas Joneck „sechs Stunden allerbester Unterhaltung“ entgegenfiebert und sein Mit-Gesellschafter Nicolai Zeltinger von einer „coolen Kooperation“ der beiden mittelhessischen Korbjäger-Größen spricht, liegt der Fokus von 46ers-Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic trotz aller „Vorfreude auf diesen großartigen Abend“ alleine bei seinem Team, das nach dem Ausfall von Devon Goodman zwar personell noch immer nicht nachbessern konnte, das mit dem dritten Erfolg in Serie jedoch endgültig den Deckel auf eine nicht enden wollende Diskussionen um eventuell verfehlte Saisonziele draufmachen möchte.
„Wir haben eine gute Mannschaft. Wir haben gut trainiert. Wir verteidigen gut. Wir haben einzig und allein das Problem, dass unsere Wurfquoten nicht stimmen“, wartet der Deutsch-Serbe auf das Platzen jenes Knotens, dessen Unbeugsamkeit ihn in dieser Spielzeit fast in den Wahnsinn treibt. „Mit einem Sieg in die zweiwöchige Pause gehen zu können, wäre stark“, möchte der 59-Jährige seine Jungs zwar nicht allzu sehr unter Druck setzen, es ist jedoch kein Geheimnis, dass zwei Punkte gegen die Truppe aus der Heimatstadt des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder Balsam auf die geschundenen Seelen des Altmeisters wäre.
Ob mit den Nürnberg Falcons der „richtige“ Gegner zum ersten Gießener Heimspiel in der Fremde kommt, werden die Anhänger kurz vor Beginn der Tagesschau wissen. „Frenki“ Ignjatovic geht jedenfalls mit gemischten Gefühlen in die Partie. „Zum einen habe ich bei ganz besonderen Events meistens den Kürzeren gezogen, zum anderen haben wir mit den Falken jedoch gute Erfahrungen gemacht.“ Zur Erinnerung: In der Pre-Season unterlagen die Franken in der Osthalle mit 88:95, am 15. ProA-Spieltag blieb Gießen in der KIA-Metropol-Arena mit 74:64 siegreich.
Big Man Till Gloger besorgte starke 21 Punkte, der längst nicht mehr zum Kader gehörende Abu Kigab sammelte sechs Rebounds ein, Devon Goodman verteilte sechs Assists und das komplette 46ers-Team erlaubte sich nur neun Ballverluste. Vergessen waren also schnell die 25 Zähler und acht Rebounds von Nürnbergs Superstar Brandton Chatfield, der am Samstag verletzt auszufallen droht. Der US-Center hat die letzten acht Partien verpasst, der zweite Big Man Julius Wolf die vergangenen drei, die alle (65:90 gegen Crailsheim, 82:88 gegen Kirchheim und 68:96 in Bayreuth) mit Niederlagen endeten.
Da die „Raubvögel“ von den letzten neun Partien seit der Niederlage gegen die 46ers am zweiten Weihnachtsfeiertag nur drei gewannen und deshalb aus den Playoff-Plätzen herausgerutscht sind, wurden sie nochmals auf dem Transfermarkt aktiv und verpflichteten den Griechen Georgios Giouzelis vom Erstligisten Aris Thessaloniki. Der 30-Jährige, der dem Nachwuchsprogramm von Panathinaikos Athen entstammt, bringt Europapokalerfahrung mit an die Noris, die allerdings seine erste Auslandsstation darstellt. Bei der letzten Niederlage gegen Crailsheim stand Giouzelis 22 Minuten auf dem Parkett, markierte vier Punkte und sammelte ebenso vier Rebounds ein.
„Nürnberg hat gute deutsche Spots und einige Top-Ausländer“, weiß „Frenki“ Ignjatovic, dass das Falken-Gastspiel in Wetzlar kein Selbstläufer für seine Truppe wird. Weil die beiden deutschen Point Guards Tim Köpple oder Vincent Friederici ebenso wie die beiden US-Aufbauspieler Carter Whitt und Evan Taylor jederzeit zweistellig scoren können. Weil Trevor Baskin unter den Körben aufzuräumen weiß und schon mal 14 Abpraller sein Eigen nennt. Weil auch Lars Lagerpusch mit seinen 2,07 Metern die Ellenbogen ausfahren kann. Weil der erst 19-jährige Christian Feneberg wie gegen Koblenz auch mal mit 18 Zählern von der Anzeigetafel leuchtet. Und weil Tom Stoiber, ebenfalls gegen Koblenz, mit bisweilen 30 Punkten schon mal zum Matchwinner werden kann.
Egal, wie: Beim Doppelspieltag wird den Besuchern beste Unterhaltung geboten …

