Nach dem deutlichen Erfolg zum Saisonstart gehen die GIESSEN 46ers „mit breiter Brust“ in das Duell mit dem Erzrivalen Phoenix Hagen.
„Papier ist geduldig!“ Glaubt Roland Nyama. Und gibt nicht viel auf Zeitungen, Online-Portale oder Experten-Meinungen, die unisono davon schreiben oder fachsimpeln, dass ein Quartett die Meisterschaft in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA unter sich ausmachen wird.
Göttingen? Hagen? Crailsheim? Oder am Ende doch der eigene Club? Der 32-Jährige hält sich vor dem vermeintlichen Liga-Gipfel am Samstag (19 Uhr) zwischen seinen GIESSEN 46ers und Phoenix Hagen lieber ein wenig bedeckt. Und spricht – Gentleman-like – respektvoll über den kommenden Kontrahenten.
Die Süd-Westfalen seien eine Mannschaft, die aufs Tempo drücke, die gute Schützen habe, die über eine tiefe Bank verfüge. „Das wird ein Match mit 40 Minuten Intensität auf beiden Seiten und Spannung bis zur letzten Sekunde.“ Mit Vorteilen für die Gastgeber, die vor drei Wochen bereits den Test in der Ischelandhalle mit 92:88 zu ihren Gunsten entschieden haben? „Eher nicht. Vorbereitungsspiele sind lediglich zum Beschnuppern da, mehr nicht.“
In die gleiche Kerbe schlägt auch sein Coach. „Ich habe so meine Zweifel, ob solche Partien so früh in der Saison schon eine große Aussagekraft besitzen“, vermutet „Frenki“ Ignjatovic. „Noch kein Team ist gefestigt, es wird im Laufe einer langen Runde noch viele Ups und Downs geben.“ Ups für seine Jungs am Samstag und Downs für den Gegner? „Hagen ist der Top-Favorit auf den Aufstieg, weil sie offensiv echte Waffen haben und sich in einen Rausch spielen können. Sie wollen in die BBL und haben sich dementsprechend gewappnet. Alle Positionen sind doppelt und teilweise hochkarätig besetzt.“
Womit der (noch) 58-Jährige vor allem den Ex-Heidelberger Jeffrey Carroll meint, der nach überstandenem Kreuzbandriss und einem Jahr der Beschäftigungslosigkeit in Hagen einen Neuanfang sucht. Regisseur Marcus Graves kam von BBL-Aufsteiger VET-CONCEPT Gladiators Trier, Powerforward Fabian Bleck spielte die vergangenen Jahre im Oberhaus für die FIT/One Würzburg Baskets.
Außerdem erstmals im Hagener Kader: US-Scharfschütze Devin Schmidt vom spanischen Zweitligisten Estudiantes Madrid, der beim 101:74 gegen Aufsteiger RheinStars Köln in nur 21 Minuten 25 Punkte markierte, vier Dreier versenkte sowie fünf Assists und acht Rebounds beisteuerte, sowie Center Anzac Rissetto, der vom ProA-Ligisten Eisbären Bremerhaven kam und zum Saisonstart mit 16 Zählern und acht weggepflückten Abprallern ebenfalls überzeugte.
Die drei Ex-Gießener Dennis Nawrocki, Tim Uhlemann und Bjarne Kraushaar gehören zwar weiterhin zur Truppe von Coach Chris Harris, mit Tyler Stevenson-Moore (BC Lulea/Schweden), Naz Bohannon (Science City Jena), Devonte McCall (unbekannt), Ralph Hounnou (EWE Baskets Oldenburg) und Lennart Boner (Karriereende) haben jedoch fünf Profis den Club verlassen, die zu beachten waren.
„Die Chancen stehen 50:50“, glaubt Branislav Ignjatovic, der sich auf eine hoffentlich pickepacke volle Osthalle, allerbeste Stimmung und die Fortsetzung der eigenen Vorstellung vom 79:61-Erfolg bei den Kirchheim Knights freut – zumindest der aus Halbzeit eins. „Mit dem, was wir in den ersten beiden Vierteln gezeigt haben, war ich sehr zufrieden, was danach aber kam, hat mir überhaupt nicht gefallen“, hatten Ignjatovic und sein Assistent Nikola Stanic jede Menge bei der Videoanalyse am Montagabend zu klären.
Ohne aus dem Blick zu verlieren, dass ihre 46ers im Gegensatz zu den vergangenen Jahren einen „sehr reifen und erwachsenen“ Saisonstart, so Neuzugang Till Gloger, hingelegt und ganz nebenbei erstmals unter „Frenki“ Ignjatovic bei dessen Ex-Arbeitgeber die Oberhand behalten hatten. Einer, der Hoffnung macht. Weil Kyle Castlin vor dem Duell mit seinem ehemaligen Club von der Volme gezeigt hatte, warum er seinen Vertrag an der Lahn verlängerte, „nämlich, weil ich hier noch lange nicht fertig bin.“ Einer, bei dem „wir ein starkes Zeichen gesetzt haben, auch wenn es für Superlative noch viel zu früh ist“, so Roland Nyama. Und vor allem einer, durch den „wir gegen Phoenix Hagen mit breiter Brust auflaufen können“, so Kapitän Robin Benzing.
Es ist also alles angerichtet für einen großen Basketball-Abend …


