„Großen Respekt an die Jungs“

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46ers-Teamärztin Petra Michel-Leutheuser feiert mit den deutschen Rolli-Junioren in Sao Paulo den Weltmeister-Titel.

Ihre Stimme klingt ein wenig mitgenommen. Eigentlich so, wie sich niemand die einer Medizinerin vorstellen kann. Doch Petra Michel-Leutheuser gibt Entwarnung: „Erstens war es dort Winter und deshalb nur zwischen neun und zwölf Grad, zweitens habe ich viel gejubelt.“ 

Ausnahmsweise einmal nicht über ihre GIESSEN 46ers, denen sie als Nachfolgerin ihres Mannes Wolfgang seit inzwischen vier Jahren als Teamärztin eng verbunden ist. Sondern ob ihrer zweiten Leidenschaft, dem Rollstuhlbasketball. 

Knapp zwei Wochen war die Orthopädin mit Sitz in der Gießener Wilhelmstraße in der brasilianischen Metropole Sao Paulo, wo sich die von ihr betreute U23 des Deutschen Rollstuhlsport-Verbandes (DRS) den Weltmeister-Titel sicherte. 

In einem Spiel auf hohem Niveau. In einem wahren Kraftakt. Und nach einer nervenaufreibenden Aufholjagd. Das Team von Headcoach Peter Richarz bezwang Finalgegner Türkei mit 71:66 (18:22, 31:44, 47:54) und feierte auf dem Court 1 im „Centro de Treinamento Paraolímpico Brasileiro“ anschließend ausgelassen den Gewinn der Goldmedaille. Mittendrin statt nur dabei: Petra Michel-Leutheuser.

Julian Lammering vom RSV Lahn-Dill, mit dem die 46ers im alten Jahr in der Osthalle einen beeindruckenden Doppelspieltag ausgetragen hatten, zeigte sich wie schon im gesamten Turnier bestens aufgelegt und steuerte allein 36 Punkte zum Titelgewinn bei, während sein Bruder Maximilian, der für den UBC Münsterland aktiv ist, mit einem Double Double aus 22 Punkten und 14 Assists glänzte.

Insgesamt blieb die U23 in der mit zwölf Millionen Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Städten der Welt gehörenden Finanzmetropole ungeschlagen. Gegen Australien (65:38), Gastgeber Brasilien (74:41), Israel (60:38), die Türkei (81:60) und Kanada (81:47) feierten die Junioren fünf deutliche Gruppensiege, anschließend setzten sie sich im Viertelfinale gegen Japan (77:35) und in der Vorschlussrunde abermals gegen Australien (87:40) durch.

„Großen, großen Respekt an die Jungs“, zeigte sich Petra Michael-Leutheuser kurz nach der Ankunft im heißen Deutschland angetan von dem, was die Junioren in Südamerika geschafft hatten. „Ich finde es sehr beeindruckend, was Menschen mit Behinderung in der Lage sind, zu leisten“, fasste sie ihre Motivation, sich schon rund zwei Jahrzehnte für verschiedene Rolli-Nationalteams zu engagieren, kurz und bündig zusammen. Dass sie deshalb auch weiterhin dem RSV Lahn-Dill als Teamärztin zur Verfügung steht, versteht sich aus ihrer Sicht von selbst, wenngleich die 62-Jährige betont: „Wenn sie jemanden anderes finden, dann trete ich auch gerne zurück.“ Doch ihre Worte sind bei RSV-Manager Andreas Joneck bisher verhallt …

Dass Petra Michel-Leutheuser als einzige Frau der deutschen Delegation einen hohen Stellenwert genießt, unterstreichen die Worte des Bundestrainers, dem der langjährige RSV-Co. Günther Mayer assistiert: „Danke sage ich an dieser Stelle ebenfalls an meinen weltmeisterlichen Staff. Die vielen kleinen und großen Unterstützungen waren super und haben einen enormen Anteil an diesem Erfolg.“

Nur 24 Stunden nach ihrer Rückkehr stand die Medizinerin – Achtung: Wortspiel – wieder „ihren Mann“ in ihrer Gießener Orthopädie-Praxis. Dort eben, wo sich das Team von Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic ab Mitte August im Hinblick auf die neue Saison in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA durchchecken lassen wird. Bei einer Petra Michel-Leutheuser, die dann ganz sicher wieder gut bei Stimme sein wird.

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