Mit der BG Göttingen haben die GIESSEN 46ers einen Tag vor Heiligabend (20 Uhr) den BBL-Absteiger in der Osthalle zu Gast.
Im Gegensatz zum 100:107 am Samstagabend bei den Artland Dragons wollen sich die GIESSEN 46ers an diesem Dienstag (20 Uhr) gegen die „Veilchen“ nicht zum zweiten Mal gegen ein Team aus Niedersachsen ein blaues Auge einhandeln. Wenn die BG Göttingen am 14. Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA ihre Visitenkarte in der aller Voraussicht nach so gut wie ausverkauften Osthalle abgibt, dann ist Dramatik garantiert. Denn die mit 6:0-Siegen beste Auswärtsmannschaft ist zu Gast bei einem der stärksten Heimteams (5:1), was Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic hoffen lässt, dass seine Jungs vor eigenem, leidenschaftlichem Publikum die unglückliche Crunchtime aus Quakenbrück aus den Köpfen verbannen und aus den Klamotten schütteln können.
„Unsere Fans verleihen uns gerade zu Hause zusätzliche Energie. Sie wirken wie ein sechster Mann, wenn es mal eng wird. Das setzt bei uns stets ungeahnte Kräfte frei“, ist sich der 59-Jährige sicher, dass rund zweieinhalbtausend Besucher (mehr sind derzeit aufgrund des noch immer defekten Rauchschutzvorhanges nicht erlaubt) den Altmeister nach vorne peitschen werden. Was auch nötig sein wird. „Denn gegen ein absolutes Top-Team“, so der Deutsch-Serbe, „müssen Energie, Aggressivität und Einstellung absolut stimmen.“
Auch im Artland, aus dem die 46ers am Sonntagmorgen gegen 4 Uhr zurückkehrten, stimmte viel, sogar sehr viel. Kyle Castlin traf aus allen Rohren, Abu Kigab legte ein vielversprechendes Comeback hin, Simon Krajcovic verriet aufsteigende Form, Daniel Norl und Aiden Warnholtz stopften Löcher und Luis König Figge verteidigte leidenschaftlich, am Ende aber gaben Kleinigkeiten den Ausschlag. Hier ein unnötiger Ballverlust, da ein dummes Foul: Schon hatten die Dragons in der Crunchtime per 17:6-Lauf aus einem 79:86-Rückstand eine 96:92-Führung gemacht und damit den Mittelhessen den Stecker gezogen. Ignjatovic: „Das darf uns nicht mehr passieren.“
Mit der BG Göttingen erwartet Gießen nun ein Team, das zuletzt zwar den Nürnberg Falcons BC mit 78:91 unterlegen war, das sich aber gerade auswärts (unter anderem mit doppelten Punktgewinnen bei den Artland Dragons und in Bremerhaven) schadlos hielt. Und dies nach einem Komplett-Umbau, bei dem die Süd-Niedersachsen keinen Stein auf dem anderen ließen. Nur Center Janis Jünemann und Small Forward Mathis Mönninghoff blieben und entwickelten sich unter dem neuen Coach Fabian Strauß zu echten Leistungsträgern.
Strauß brachte von den aus finanziellen Gründen in der ProA abdankenden Dresden Titans nicht nur seinen Assistenten Patrick Carney, sondern vor allem Regisseur Daniel Kirchner mit. Zusammen mit US-Rookie Jordan Sears zieht der 28-Jährige die Fäden, übernimmt Verantwortung und glänzt mit im Schnitt zwölf Punkten und acht Assists. Ihm in nichts nach steht der Mann aus Florida, der zu seinen durchschnittlich 13 Punkten und vier Vorlagen auch noch sechs Abpraller einsammelt. „Gerade auf der Pointguard-Position haben sie oberste Qualität“, lobt „Frenki“ Ignjatovic.
Doch auch auf anderen Positionen kann sich das Göttinger Roster sehen lassen. Mit Robin Lodders (Science City Jena) und Hendrik Drescher (VET-CONCEPT Gladiators Trier) kamen zwei deutsche Big Men von jenen Teams, die den GIESSEN 46ers den BBL-Aufstieg vor der Nase wegschnappen konnten. Die beiden stehen aber klar im Schatten des langen Schweden Adam Ramsted, der von Valur Reykjavik aus Island nach Niedersachsen kam. Der 30-Jährige besticht nicht nur mit Erfahrung aus den obersten Ligen seines Heimatlandes sowie aus Polen, Ungarn und Frankreich, sondern er kann auch schon mal wie gegen Köln elf Rebounds einsammeln und dem Gegner 21 Punkte einschenken. Außerdem glänzt der 2,10-Meter-Mann mit einer 90-prozentigen Trefferquote aus dem Halbfeld.
Julius Böhmer, aus Würzburg gekommen, hat nach langer Verletzungspause in Göttingen wieder zu alter Form gefunden, was seine fünf versenkten Dreier und 25 Punkte beim Sieg in Bremerhaven zeigten. US-Guard Zack Jackson, der aus Japan kam, punktet ebenso wie sein Landsmann Kevin Buckingham, den es aus Spanien nach Göttingen verschlug, fast immer zweistellig. Und Nils Schmitz, von den Eisbären Bremerhaven verpflichtet, bringt als Combo Guard stets Entlastung fürs Establishment, so dass sich die Fans am Dienstag in der Osthalle auf ein Match freuen dürfen, in dem es für die GIESSEN 46ers gilt, den Anschluss nach oben nicht einzubüßen. Und sich vor allem von den „Veilchen“ kein blaues Auge verpassen zu lasse.


