Samstag-Gast RheinStars Köln fügte den GIESSEN 46ers im Dezember die vielleicht schmerzlichste Niederlage dieser Saison bei.
Wer Viktor Kovacevic lauscht, dem geht meist das Herz auf. Zumindest, wenn er es mit den GIESSEN 46ers hält. Der Serbe spricht von einer „großen Chance für uns in den kommenden Wochen“, davon, dass sich die Mannschaft „immer weiter steigert“ und offenbar rechtzeitig in der Crunchtime der Saison die Form zeige, die notwendig sein wird, um „viel zu erreichen.“ Der 26-Jährige verweist darauf, dass „wir vergangenes Jahr nur gescheitert sind, weil Jena und Trier zwei Übermannschaften waren.“ Und er denkt, dass starke Gegner am Ende einer Spielzeit „genau der richtige Gradmesser“ seien, um zu zeigen, „dass mit uns zu rechnen ist.“
Kurzum: Den Powerforward, den in Defensive wie Offensive überragenden Gießener Profi der vergangenen Saison, aus Bratislava, wo er sich überhaupt nicht wohlfühlte, zurückzuholen, das passte: Denn der in New York Aufgewachsene taugt zum Leader, zum Go-to-Guy, zum X-Faktor einer Runde, die durchschnittlich begann, aber überdurchschnittlich enden soll. Wohl dem, der einen Viktor Kovacevic in seinen Reihen weiß …
Was auch notwendig sein wird, denn Laufkundschaft gibt es in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA keine mehr. Sie gab es auch nie. Was der kommende Gegner RheinStars Köln eindrucksvoll dokumentiert. „Dort haben wir eine der schmerzlichsten Niederlagen der vergangenen Monate kassiert“, erinnert sich Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic bei der wöchentlichen Pressekonferenz in den Räumen des Optik & Hörakustikers Neusehland noch mit Grausen an jenen Nikolaustag 2025, als der Aufsteiger „auswärts“, weil im Düsseldorfer Castello, dem Altmeister eine schlimme 92:76-Abreibung verpasste. Nur 21 Prozent Dreierquote, zehn verworfene Freiwürfe und eine 30:49-Unterlegenheit bei den Rebounds sprachen damals eindeutig für schweißnasse Hände bei den mittelhessischen Profis, obwohl diese zuvor mit drei Siegen in Serie (gegen Bremerhaven, in Münster und gegen Leverkusen) zumindest für Zufriedenheit in den eigenen Reihen gesorgt hatten.
Für Ignjatovic ist deshalb auch sonnenklar: „Wir sind auf Revanche aus“. 7:3-Siege aus den letzten zehn Partien haben den Altmeister nicht nur in die Playoffs gehievt, sondern auch für Selbstbewusstsein gesorgt. „Wir haben von Niederlagen und schlechten Matches die Nase voll, inzwischen spielen wir einen richtig guten Basketball.“ Was Köln am Samstag (19 Uhr, Osthalle) am drittletzten Hauptrunden-Spieltag der Saison 2025/26 leidvoll zu spüren bekommen soll.
Doch Vorsicht: Die RheinStars haben sich gefangen und sich zwischenzeitlich von einem Abstiegs- zu einem Playoff-Kandidaten entwickeln können. Zwei Erfolge Differenz beträgt der Abstand zu Rang acht, „noch haben sie geringe Chancen und werden das bei uns auch zeigen wollen“, befürchtet Ignjatovic ein Match, das seinem Team alles abverlangen wird. Zumal die 46ers in dieser Woche personell nicht auf Rosen gebettet waren. Luis König Figge erwischte die Grippe. Till Gloger musste mit Schmerzen zum Zahnarzt. Und Viktor Kovacevic zwickte die Achillessehne. Da kam es dem mit drei Rippenbrüchen weiter gehandicapten Cheftrainer gerade recht, dass sich Roland Nyama nach überstandener Schulterverletzung wieder zum Mannschaftstraining einfand.
Um gegen rheinische Frohnaturen, die nach eigener Aussage ob ihres schweren Restprogrammes ihre Playoff-Chancen allerdings als „gleich null“ einschätzen, auf dem Feld zu stehen, denen Ende Oktober nach fünf Auftakt-Niederlagen der Trainerwechsel von Stephan Baeck zu Zoran Kukic merklich gutgetan hat. Mit einer ausgeglichenen Bilanz von 13 Siegen bei ebenfalls 13 Niederlagen führte der gebürtige Wiener, der 2004 als Spieler mit Köln Pokalsieger wurde, die RheinStars vom Abgrund ans Ufer. Erfolge über die Bozic Estriche Knights Kirchheim (87:74), gegen die HAKRO Merlins Crailsheim (83:81) oder gegen die BG Göttingen (88:80) sprechen für die Rheinländer, die sich allerdings am vergangenen Wochenende bei der 67:69-Heimniederlage in der direkten Playoff-Ausscheidung gegen die PS Karlsruhe LIONS trotz einer 67:61-Führung 90 Sekunden vor Schluss eine bessere Ausgangsposition in der Crunchtime der Saison vermasselten. „Sie waren ober der Bedeutung ein wenig verkrampft“, hatte sich Branislav Ignjatovic die Partie natürlich angesehen.
Der 59-Jährige sah zwar einen Big Man Björn Rohwer, der ein Double-Double auflegte, konnte aber auch verfolgen, dass andere Leistungsträger nicht wie gewohnt lieferten. Männer wie Haris Hujic, Mike Miller, Cedric Russell, Kenny Baptiste, Adam Paige, Hall Elisias oder der Ex-Gießener Maxi Begue. Haris Hujic, der in der BBL schon für Rostock, Oldenburg und Göttingen auflief, ist immer für 25 Punkte gut. Das gilt auch für Marathon-Mann Mike Miller, der stets über 30 Minuten auf dem Parkett verbringt. Cedric Russell, der Köln auch nächste Saison erhalten bleiben wird, bringt es im Schnitt auf 15 Punkte, die er gerne von jenseits der 6,75-Meter-Marke einstreut. Die VfL SparkassenStars Bochum, denen er sechs Fernwürfe kredenzte, oder die Artland Dragons und die Nürnberg Falcons, gegen die er fünf versenkte, wissen davon ein Lied zu singen.
Der Franzose Kenny Baptiste, der erst im Januar aus Limoges kam, präsentierte den Fans schon drei Double-Double. Der Kanadier Adam Paige weiß seine 2,03 Meter unter beiden Körben einzusetzen. Der aus Haiti stammende Center Hall Elisias, ebenfalls nachverpflichtet, sammelt wie gegen die Uni Baskets Münster und die SBB Baskets Wolmirstedt schon mal elf Rebounds ein. Und Maxi Begue, inzwischen Starter, bringt es locker schon mal auf gut 30 Minuten, in denen er auch mal 20 Punkte zum Gelingen beitragen kann.
„Wer solche Top-Guards aufbietet, wer sechs Ausländer im Kader hat und wer im Aufwind ist wie Köln, den dürfen wir auf keinen Fall unterschätzen“, weiß „Frenki“ Ignjatovic, dass das vorletzte Hauptrunden-Heimspiel kein Spaziergang wird. Wenngleich Viktor Kovacevic zurecht darauf verweist, dass „wir uns in den letzten Wochen kontinuierlich gesteigert haben.“

