(Foto: Laurin Sondermann)

BUNTE BÜHNE BASKETBALL (59)

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Überraschung an der Ruhr: Die VfL SparkassenStars Bochum trennen sich nach sieben Jahren von Cheftrainer Felix Banobre.

Mal bei „Wer wird Millionär?“, mal abseits des Courts: Ehemalige Spieler der GIESSEN 46ers geraten immer mal wieder in die Schlagzeilen. Erst der allwissende Vladimir Bogojevic, den Günther Jauch mit 64.000 Euro belohnte. Dann der seinen Kopf offenbar ausschaltende Chase Griffin, der einen Schiedsrichter attackierte. Und deshalb nicht nur um seinen bis dato guten Ruf, sondern vor allem um seine Zukunft im deutschen Basketball fürchten muss. 

Was war passiert? Zum Start in die Playoffs verkündete West-Regionalligist BBG Herford, sich mit sofortiger Wirkung von seinem Cheftrainer zu trennen. Bei einem Jugendspiel in Dorsten brannten bei Chase Griffin offenbar die Sicherungen durch, denn es kam zu Tätlichkeiten gegen die Unparteiischen. Der Verband sperrte den 42-Jährigen daraufhin für 24 Spiele. Laut BBG-Homepage könne „der Vorbildcharakter eines Trainers, ganz besonders im Jugendbereich, nach diesem Vorfall aus Sicht des Vorstands nicht aufrechterhalten werden.“ 

Griffin trug in der Saison 2010/11 unter Coach Steven Key das Trikot der GIESSEN 46ers. Der Guard aus Redmond/Washington kam damals von Phoenix Hagen an die Lahn. Später war er noch in Finnland sowie bei RASTA Vechta, den Merlins Crailsheim und bei den Artland Dragons aktiv. In Quakenbrück wurde er auch Co-Trainer, ehe er vergangenen Sommer das Amt bei der BBG Herford übernahm.

Mit Achmadschah Zazai sorgt ein anderer Ex-Gießener indes weiter für positive Schlagzeilen. Der neue Trainer von Aufsteiger SBB Baskets Wolmirstedt feierte in seinem vierten Match den dritten Sieg, der die Truppe aus Sachsen-Anhalt nach Monaten der Tristesse erstmals auf einen Nicht-Abstiegsplatz beförderte. Beim 92:74-Erfolg als Gast der VfL SparkassenStars Bochum profitierte Zazai allerdings auch davon, dass Trevis Henson wieder zu alter Form findet. Der Mann aus Washington fehlte den Baskets rund drei Monate. Im März stand er zum vierten Mal auf dem Parkett, versenkte vier seiner fünf Dreier und verbuchte insgesamt 27 Punkte. Da auch Big Man Michael Hughes ein Double-Double auflegte, konnten es die Männer aus der Nähe von Magdeburg verschmerzen, dass De’Vondre Perry kurzfristig nicht zur Verfügung stand.

Eiko Potthast, vor drei Wochen erst bei den SBB Baskets Wolmirstedt entlassen, hat indes eine ebenso neue wie spektakuläre Herausforderung gefunden. Der 34-Jährige arbeitet ab sofort als Co-Trainer des französischen Euroleague-TeilnehmersParis Basketball. Chefcoach ist dort der Deutsche Julius Thomas, der erst vor wenigen Tagen den Italiener Francesco Tabellini beerbte. Julius Thomas kam im Sommer 2023/24 als Teil des Trainerstabs von Tuomas Iisalo in die französische Hauptstadt. Anschließend setzte er seine Tätigkeit als Assistenztrainer unter Tiago Splitter fort. Beide bekleiden mittlerweile Cheftrainerpositionen in der NBA. Wie Potthast hat Thomas eine Bonner Vergangenheit. 

Bei den VfL SparkassenStars Bochum geht indes eine Ära zu Ende, denn Felix Banobre ist nicht mehr länger Trainer der Männer von der Ruhr. Wie der Zweitligist in einer Pressemitteilung formuliert, erfolgte die Entscheidung zur Trennung nach fast siebenjähriger Zusammenarbeit „einvernehmlich“. Tobias Steinert, Geschäftsführender Gesellschafter, wird dabei mit warmen Worten in Richtung des 55-Jährigen zitiert: „Ich bin Felix für seine Verdienste überaus dankbar. Er hat die sportliche Entwicklung der SparkassenStars in den vergangenen Jahren entscheidend mitgestaltet und wichtige Impulse gesetzt.“ Übergangsweise übernimmt Co-Trainer Petar Topalski das Steuer – zunächst bis zum Saisonende. Zudem hatte sich der zweite Assistent Alvaro Sanchez bereits vor einiger Zeit dazu entschieden, aus persönlichen Gründen in die Niederlande zurückzukehren. Er wird die SparkassenStars aber nun weiter unterstützen. Unabhängig von der aktuellen Veränderung im Trainerstab bleibt er dem Verein bei der Videoanalyse und Trainingsvorbereitung verbunden.

Banobre übernahm Bochum am 1. Juli 2019. Der Spanier mit britischem Pass, der zuvor unter anderem im Nachwuchs- und Assistenzbereich gearbeitet hatte und vom SC Rist Wedel an die Ruhr kam, brachte sein unverkennbares iberisches Temperament ein: lautstark an der Seitenlinie, emotional im Coaching, nah an seinen Profis. In insgesamt mehr als 180 Pflichtspielen stand er für Bochum an der Seitenlinie. Banobre etablierte den VfL in Deutschlands zweithöchster Liga. Die aktuellen Playoff-Hoffnungen wurden aber beeinträchtigt, da am Freitag das Heimspiel gegen Aufsteiger SBB Baskets Wolmirstedt mit 74:92 verloren ging. Die Niederlage, die allerdings ohne die verletzten US-Profis Myreon Jones und Dravon Mangum zustande kam, wurde Banobre schließlich zum Verhängnis. Die Bochumer, die am Samstag kommender Woche die GIESSEN 46ers empfangen, blieben dennoch auf Platz acht mit zwei Punkten Vorsprung auf Rang neun und damit auf Playoff-Kurs. Die Trennung mag offiziell als „einvernehmlich“ verkündet worden sein – ihr Zeitpunkt aber macht sie zu einer der bemerkenswertesten Entscheidungen der jüngeren Vereinsgeschichte der SparkassenStars Bochum.

Und dann sind da noch die Tigers Tübingen, denen trotz des Trainerwechsel (Eric Detlev für Henrik Sonko) nach zuletzt nur zwei Erfolgen aus acht Partien das Wasser tabellarisch bis zum Halse steht. 0,8 Sekunden fehlten den „Raubkatzen“ am Wochenende, um gegen die Bozic Estriche Knights Kirchheim zum Erfolg zu kommen, dann versenkte Charles Harris die Kugel zum Kirchheimer 95:93-Sieg im Tübinger Korb. Zwar markierte Bernard Pelote fünf Dreier und glänzte Jordan Johnson mit 21 Punkten, neun Assists und neun Rebounds, doch ein Double-Double von Kirchheims Big Man Tylan Pope und 31 Zähler des Wochenende-Topscorers Phil Russell sorgten am Ende dafür, dass sich die Teckstädter im Playoff-Ringen nachhaltig in Erinnerung brachten.

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