(Foto: Michael Schepp)

Mit Widerstandsfähigkeit

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Bei den Eisbären Bremerhaven wollen sich die GIESSEN 46ers wie einst in Kirchheim, in Göttingen und in Karlsruhe präsentieren.

Alltag, Routine, ja Normalität haben wieder Einzug gehalten in den Trainingsbetrieb der GIESSEN 46ers. Zwölf Profis sitzen auf ihren Gymnastikmatten und lauschen den Anweisungen von Athletiktrainerin Kim Schlüter. Alle machen mit, keiner fehlt, niemanden zwickt irgendetwas, alle sind fit. Die Saison 2025/26 in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA, zumindest die Hauptrunde, neigt sich ihrem Ende entgegen – und das Selbstverständliche, das Akzeptable, das Erwünschte kehrt zurück in eine Truppe, die zuletzt gar manchen Rückschlag, sportlich wie gesundheitlich, zu verkraften hatte.

Der vorletzte Spieltag steht an. Es geht mit voller Kapelle zu den Eisbären Bremerhaven, die am Sonntag (15 Uhr) in der Bremer ÖVB-Arena Gastgeber des Altmeisters sind. Luis König Figge steht nach überstandener Grippe wieder zur Verfügung. Viktor Kovacevic zwickt die Achillessehne nicht mehr. Roland Nyamas Schulter geht es besser. Till Glogers Zahnschmerzen haben sich verflüchtigt. Und Jonathan Maier sowie Simon Krajcovic, die ebenfalls ein wenig kürzertreten mussten, stehen wieder voll im Saft. Da auch Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic fieberfrei ist und er seine nach einem Sturz zu Hause in Ober-Ramstadt drei gebrochenen Rippen von Tag zu Tag weniger spürt, steht einem hoffnungsvollen Trip an die Nordseeküste, den der Tross des Altmeisters bereits am Samstagmorgen beginnen wird, nichts mehr im Wege.

Die laut des Coaches „schwere Niederlage“ gegen die RheinStars Köln ist verdaut, besprochen und ausdiskutiert. Mit dem Ergebnis bis auf wenige Ausnahmen gesehen zu haben, dass „wir konkurrenzfähig sind.“ Der 59-Jährige erinnert sich an vergangene Siege bei den drei Playoff-Teams BG Göttingen, Bozic Estriche Knights Kirchheim und PS Karlsruhe LIONS. „Da haben wir gezeigt, dass wir gerade in der Fremde sehr widerstandsfähig sind.“ 

Was vor dem anstehenden Playoff-Viertelfinale, in dem der Altmeister in jedem Fall mehr auswärts als zu Hause antreten muss, noch von Bedeutung sein könnte. „Die restlichen beiden Partien sind die besten Trainingseinheiten für die K.o.-Runde“, verweist Ignjatovic auch darauf, genau hinschauen zu wollen, wen er zur Stunde null ins Gefecht werfen wird. „Die Uhren werden bald angehalten, dann beginnt die Saison von Neuem.“

Dass die 46ers nicht eben pessimistisch nach Bremen respektive zu den Eisbären fahren, ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass Gießen zuletzt in den Playoffs der vergangenen Runde gute Erfahrungen mit den Nordlichtern gemacht hat und mit einem Overtime-109:98 in Spiel eins (nach einem 18-Punkte-Rückstand zur Pause) den Grundstein zum 3:1-Halbfinaleinzug legen konnte. 

Zum anderen steht Bremerhaven mächtig unter Druck, denn im Kampf mit der BG Göttingen und den Artland Dragons hat der derzeitige Rangvierte das Heimrecht noch lange nicht eingetütet. Angesichts des Matches gegen die GIESSEN 46ers und der abschließenden Auswärtsaufgabe bei den rund 750 Kilometer entfernten Tigers Tübingen, aber auch ob der Tatsache, dass die Eisbären von den letzten sechs Partien nur zwei gewonnen haben, ist ihnen ein Playoff-Start vor eigenem Publikum noch lange nicht sicher. Bei den PS Karlsruhe LIONS (83:86), beim BBC Bayreuth (86:91), gegen die HAKRO Merlins Crailsheim (89:93) und bei den VfL SparkassenStars Bochum (75:82) setzte es unlängst Niederlagen, nur bei den EPG Baskets Koblenz (75:59) und vor der diesjährigen ProA-Rekordzuschauerzahl von 4712 Besuchern gegen die Nürnberg Falcons (81:73) waren sie erfolgreich.

Dass Bremerhaven der starke Center Hendrik Warner (Knöchelverletzung) seit Mitte Januar fehlt, spielt Gießen ebenfalls in die Karten, wenngleich Branislav Ignjatovic warnt: „Sie haben richtig gute Leute nachverpflichtet.“ 

Zum einen den ehemaligen Gießener Publikumsliebling John Bryant (SYNTAINICS MBC), der wegen eines Achillessehnenrisses im ersten Training allerdings noch keine Partie für die Männer von Cheftrainer Steven Esterkamp absolviert hat. Und auch in absehbarer Zeit keine absolvieren wird. Zum anderen den ehemaligen Frankfurter Forward Lorenz Brenneke, der in seinen bisher 13 Partien für Bremerhaven die Erwartungen mit im Schnitt gut elf Punkten und fünf Rebounds erfüllt hat. Und dann ist da noch Guard Peter Hemschemeier, der im vergangenen Sommer Deutschland verließ, um an der Southeastern Louisiana University sein Glück zu versuchen, den die Eisbären aber im März davon überzeugten, doch wieder an der Küste Fuß zu fassen.

„Sie sind auf allen Positionen nicht nur doppelt, sondern auch doppelt stark besetzt“, verweist „Frenki“ Ignjatovic beispielsweise auf eine richtig gute Pointguard-Reihe mit dem Kanadier Elijah Miller, dem Ex-Jenaer Raphael Falkenthal und den US-Boys Jake Biss sowie Jemarl Baker Jr. Miller hat bisher alle 31 Partien bestritten, steht durchschnittlich 28 Minuten auf dem Feld, streut 16 Punkte ein und sorgt für sechs Assists. Falkenthal scorte in den vergangenen Wochen stets zweistellig. Biss kann schon mal fünf Dreier wie vor zwei Wochen gegen Nürnberg beisteuern. 

Und Baker glänzte vor wenigen Tagen in Karlsruhe nicht zum ersten Mal als Eisbären-Topscorer. 

Da auch Routinier und Kapitän Adrian Breitlauch mit im Schnitt neun Zählern, der Ex-Frankfurter Jordan Samare, der stets sieben, acht Rebounds einzusammeln pflegt, Carlos Carter, der unlängst Absteiger Uni Baskets Münster mit fünf Krachern von jenseits der 6,75-Meter-Marke aus der Stadthalle beförderte, und Small Forward Jannis von Senckendorff, der sich bisweilen neun Abpraller zu krallen pflegt, zu beachten sind, werden die Eisbären zu einem echten Playoff-Prüfstein für die 46ers. 

Dem es mit jener Widerstandsfähigkeit, die Gießen in Karlsruhe, in Kirchheim und in Göttingen so stark gemacht hat, zu begegnen gilt …

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