Nur einer schafft es zur Hochzeit

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Im Playoff-Halbfinale treffen ab diesem Mittwoch nicht nur die GIESSEN 46ers auf die Kirchheim Knights, sondern auch die beiden engen Freunde „Frenki“ Ignjatovic und Igor Perovic aufeinander.

Es wird emotional. In der Stadt. In den Kneipen. In der Halle. In der Mannschaft. Beim Staff. Alle wissen: Noch drei Siege (aus fünf Partien), dann heißen die Gegner nicht mehr Bayreuth, sondern Bayern. Nicht mehr Bochum, sondern Bonn. Nicht mehr Wolmirstedt, sondern Würzburg. 

Nach einem bärenstarken 3:1 im Playoff-Viertelfinale der BARMER 2. Basketball-Bundesliga gegen Hauptrunden-Vize HAKRO Merlins Crailsheim haben es die GIESSEN 46ers mehr denn je in eigener Hand, vier Jahre Zweitklassigkeit hinter sich zu lassen. Einziges Problem: Im Halbfinale warten ab diesem Mittwoch (20 Uhr, Sporthalle Stadtmitte) im Best-of-five-Vergleich die Bozic Estriche Knights Kirchheim. Ausgerechnet also jene Mannschaft, die „Frenki“ Ignjatovic, Cheftrainer und Sportlicher Leiter des Altmeisters in Personalunion, zwischen 2008 und 2014 unter seinen Fittichen hatte. Deren Coach Igor Perovic auf seine Empfehlung zu den Teckstädtern kam. Und mit dem er eng, sehr eng befreundet ist. 

Die Kumpels aus alten Belgrader Tagen telefonieren fast täglich, sie tauschen sich über die Kontrahenten aus, sie laden sich gegenseitig ein. Fast schon eine Selbstverständlichkeit ist es deshalb auch, dass Ignjatovic Anfang Juni in der serbischen Hauptstadt auf der Hochzeit von Perovics Tochter Jovana eingeladen ist. „Nur einer von uns beiden wird an diesen Feierlichkeiten teilnehmen können“, hofft der Gießener Übungsleiter natürlich darauf, dass sich die 46ers nicht nur mit drei Erfolgen gegen Kirchheim für die BBL, sondern auch für die beiden (sportlich allerdings weitgehend wertlosen) Finals am 5. und 7. Juni (gegen Hagen oder Bremerhaven) qualifizieren können. 

Was möglich ist, was aber knüppelhart wird. „Denn Kirchheim“, so Branislav Ignjatovic, „hat eine ganz starke Saison gespielt.“ Und sich nach nur einem Sieg aus den ersten sechs Partien noch auf Platz sechs – vor Gießen – emporgearbeitet. Mit hernach 19 Erfolgen aus 28 Matches, mit ganz starken Heimauftritten wie dem gegen die BG Göttingen (87:86), dem gegen die Eisbären Bremerhaven (92:67) oder dem gegen Phoenix Hagen (81:60), der an der Volme einschlug wie eine Bombe. Da die „Ritter“ im Viertelfinale auch BBL-Absteiger BG Göttingen in 3:1-Siegen aussteigen ließen, sind die 46ers also gewarnt.

„Wir tun gut daran, nur auf uns zu schauen. Und wenn wir dann eine solche defensive Leidenschaft wie gegen Crailsheim an den Tag legen, einer für den anderen einsteht, wir die Kugel laufen lassen und uns Schüsse nehmen, die sich nicht jeder traut, dann ist mir vor Kirchheim nicht bange“, richtete beispielsweise Viktor Kovacevic schon Minuten nach der 87:70-Machtdemonstration vom vergangenen Freitag gegen die Merlins den Blick nach vorne. „Erneut geht alles bei null los“, wusste Jonathan Maier, dass unter den letzten Vier alle Meriten aus dem Viertelfinale der Vergangenheit angehören. Und Kapitän Robin Benzing forderte: „Kirchheim hat überragende Einzelspieler. Da müssen wir als Kollektiv die passenden Antworten finden.“

Einzelspieler wie US-Regisseur Phil Russell, der im Schnitt für 15 Punkte gut ist, der aber wie gegen Tübingen (31), gegen Bayreuth (30) oder gegen die Artland Dragons (29) auch schon mal über sich hinauszuwachsen weiß. Dass der 27-Jährige aus Saint Louis auch von der Dreierlinie abdrücken kann, mussten beispielsweise Wolmirstedt, Leverkusen oder Münster (je fünf) leidvoll erfahren. Einzelspieler wie der während der Runde aus Crailsheim gekommene Guard Chuck Harris, der durchschnittlich 14 Zähler sein Eigen nennt und der darüber hinaus auch meist sieben, acht Assists einstreut. Einzelspieler wie der bullige Tylan Pope, der sich von Woche zu Woche gesteigert hat, der mit seinen im Schnitt 16 Punkten inzwischen zu den Top Ten der Liga gehört und der auch fast immer zweistellig reboundet. Was natürlich auch auf Ulms Meisterspieler Niklas Bretzel zutrifft, der mit seinen 2,13 Metern unter den Brettern eine stattliche Erscheinung darstellt, was seine teils zehn oder zwölf eingesammelten Abpraller auch dokumentieren. 

Da auch der Deutsch-Zyprer Aeneas Jung sowie der ehemalige Pointers-Akteur Lucas Mayer an den Flügeln immer mal wieder zweistellig punkten, der texanische Forward Tyrel Morgan als bärenstarke Alternative zu Tylan Pope von der Bank kommt und Center-Rookie Nick Spinoso auch schon mal zehn Abpraller verhaftet, verfügt Igor Perovic über eine Truppe, die bis auf die viel zu kleine Sporthalle Stadtmitte, in die nur 1500 Fans passen, allerhöchsten Ansprüchen genügt.

„Sie werden uns nichts schenken, sie würden sich aber mit uns freuen, falls wir ins Endspiel einziehen könnten“, möchte „Frenki“ Ignjatovic mit seinen Jungs im Playoff-Halbfinale gerne an die beiden 46ers-Hauptrundenerfolge (79:61, 111:89) gegen die Kirchheim Knights anknüpfen. Ohne aber vergessen zu haben: „Zum einen haben sie sich kontinuierlich gesteigert, zum anderen waren sie im Rückspiel nicht komplett.“ Ab Mittwoch also stehen die Uhren wieder auf null …

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