20 Jahre Kirchheim Knights

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Nicht nur im zweiten Playoff-Halbfinale am Samstag, sondern in der gesamten Serie wollen die 46ers zum Partycrasher der „Ritter“ werden.

Rund 20 Orte gibt es in Deutschland, die Kirchheim heißen. An der Weinstraße. Als Ortsteil von Tittmoning im Landkreis Traunstein. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Und natürlich unter Teck. Hinzu kommt Kirchhain. Akustisch zum Verwechseln ähnlich, nur anders geschrieben. Den Marktflecken im bayrischen Possenheim. In der Niederlausitz. Und im Landkreis Marburg-Biedenkopf. 

Das alles kann schon mal zu Verwechslungen, zu Irrtümern führen. Denen zwei Anhänger der GIESSEN 46ers aufgesessen sind. Sie hatten sich Tickets für das erste Playoff-Halbfinale organisiert, schließlich ist der Nordosten des Amöneburger Beckens in einer guten halben Stunde zu erreichen. Perfekt also für einen Trip unter der Woche, wenn normalerweise die Arbeit ruft und der Wecker die Menschen gnadenlos daran erinnert, sich für den schnöden Mammon erheben zu müssen. 

Doch als der Tag des Matches näherkam, bemerkten sie ihren Irrtum. Drei Stunden Autofahrt? Kaum Schlaf? Keine Überstunden mehr im Portfolio? Und anderntags todmüde im Büro? Sie fanden Abnehmer für ihre Karten. Und hatten am Abend des famosen 90:77-Auftakterfolgs des Altmeisters in der ersten von maximal fünf Begegnungen auch vor dem Fernseher viel Freude ob des Auftritts ihrer Lieben. 

Die Verwechslung wirft Fragen auf. Wo genau liegt Kirchheim? Und wer sind eigentlich die Bozic Estriche Knights Kirchheim, die ihren sperrigen Namen über Umwege eigentlich 46ers-Coach „Frenki“ Ignjatovic zu verdanken haben? Schließlich war es der heute 59-Jährige, der in seinen sechs Jahren unweit von Stuttgart (2008 bis 2014) einen befreundeten serbischen Bodenleger davon überzeugte, sich bei den „Rittern“ zu engagieren. Erst im kleinen finanziellen Rahmen, inzwischen aber als Namenssponsor. Wir geben Auskunft …

Kirchheim unter Teck hat 16.000 Einwohner und liegt rund 25 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Der Ursprung des Namens ist bis heute umstritten. Eine Erklärungsmöglichkeit bietet die Burg Teck, unter der Kirchheim liegt. 

Zu den bekanntesten Unternehmen, die ihren Sitz in der Stadt im Landkreis Esslingen haben, zählen der Sitzhersteller Recaro, Graupner Modellbau, der Wander- und Skistock-Hersteller Leki und Schempp-Hirth-Flugzeugbau. Im Industriepark Nabern sitzen darüber hinaus die Verwaltung des weltgrößten Omnibusherstellers EvoBus sowie NuCellSys, ein Unternehmen, das Brennstoffzellen entwickelt. Außerdem: ACCUmotive, eine Firma, die Batterien für Elektroautos herstellt. Alle drei sind Tochtergesellschaften der Daimler AG. Die Riethmüller GmbH ist ein europaweit bedeutender Anbieter von Partyartikeln wie etwa Lampions und Girlanden. Auch das Unternehmen Mosolf hat seinen Hauptsitz in Kirchheim. Es zählt zu den größten Unternehmen auf dem Gebiet der Automobillogistik in ganz Europa.

Die Knights, die „Ritter“, feiern in diesem Sommer ihr 20-jähriges Bestehen. Kein Wunder also, dass sie sich trotz des 0:1-Rückstands in der Best-of-five-Serie gegen die 46ers noch lange nicht geschlagen geben und ins Finale einziehen wollen. Partie zwei am Samstag (19 Uhr) in der Osthalle wird Aufschluss geben. 

Die Mannschaft wurde 2006 beim Aufstieg des seit 1881 bestehenden Stammvereins VfL Kirchheim/Teck in die 2. Bundesliga Süd in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. 2008 übernahm der vom TV Langen kommende Branislav Ignjatovic das Team, weil der ehemalige Gießener und Licher Profi Pat Elzie den Club in Richtung Bremen Roosters verlassen hatte. Die Knights etablierten sich im vorderen Mittelfeld und erreichten in ihrer ersten ProA-Saison Rang fünf. Auch in den folgenden Jahren spielten sie unter dem heutigen 46ers-Coach oben mit. Als Höhepunkt schafften die Schwaben in der Spielzeit 2011/12 nach einem Viertelfinal-Sweep gegen die ETB Wohnbau Baskets Essen und einem 3:0 im Halbfinale gegen BBL-Absteiger Giants Düsseldorf sogar den Finaleinzug und den damit verbundenen Aufstieg ins Oberhaus, der ihnen aber aufgrund fehlender Rahmenbedingungen verwehrt blieb.

Als „Frenki“ Ignjatovic die Knights nach der Saison 2013/14 verließ, kam der Amerikaner Michael Mai unter die Burg Teck. Mai führte das Team im Frühjahr 2017 ins Playoff-Halbfinale, nach dem Saisonende verließ er auf eigenen Wunsch aber den Verein. Es kamen ein Finne, ein Spanier, auch Nachwuchstrainer Brian Wenzel und der noch heute als Sportlicher Leiter fungierende Chris Schmidt coachten das Team. Ehe auf Ignjatovics Empfehlung Igor Perovic 2020 das Training übernahm. Der Mann aus Belgrad sitzt inzwischen in seiner sechsten Saison auf der Knights-Bank. Seinen Vertrag verlängerte der mit seiner Frau Mirela sowie den beiden Töchtern Jovana und Sofija in der Nähe von Ulm lebende 52-Jährige im November erst bis 2029.

Am Samstag trifft Perovic zum vierten Mal in dieser Saison auf die GIESSEN 46ers und seinen Freund „Frenki“ Ignjatovic, der sein Team warnt: „Kirchheim hat viel Qualität, da ist noch nichts entschieden. Bisher haben wir nur einen ersten, kleinen Schritt machen können.“ In jedem Fall steigt Partie drei am kommenden Dienstag (19 Uhr) abermals in Kirchheim unter Teck. Bei den Fans der 46ers, die am Mittwoch ebenso zahlreich wie lautstark in der Sporthalle Stadtmitte anwesend waren, hat es sich inzwischen herumgesprochen, dass der Trip drei Stunden dauert …

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