Vier Playoff-Teilnahmen und drei Halbfinal-Einzüge haben den GIESSEN 46ers bisher noch nicht zur BBL-Rückkehr gereicht / Ein Rückblick …
Für die einen ist das Glas wie immer halbvoll, für die anderen halbleer. Die einen glauben, die GIESSEN 46ers gehören in die BBL, die anderen sehen die Zukunft des Altmeisters eher in der ProA. Für Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic hatte in all seinen vier Spielzeiten an der Lahn das Erreichen der Playoffs oberste Priorität. Andere wiederum gaben der wirtschaftlichen Konsolidierung des Clubs stets Vorrang vor sportlichem Erfolg auf Biegen und Brechen.
Egal, wie: Nach dem Abstieg aus der Bundesliga unter Coach Pete Strobl im Jahr 2022 haben die 46ers stets die Ausscheidungsrunde der letzten Acht erreicht. Der Einzug in die Endspiele allerdings, die den Wiederaufstieg ins Oberhaus bedeutet hätten, blieb stets unerreicht.
Fluch? Oder Segen? Ein Rückblick auf vier Jahre Playoffs, die an Spannung kaum zu überbieten waren …
Saison 2022/23
Als Hauptrunden-Vierter (21 Siege, 13 Niederlagen) hinter RASTA Vechta, den Tigers Tübingen und den PS Karlsruhe LIONS hatten die 46ers im Playoff-Achtelfinale Heimrecht gegen die Dresden Titans, das sie souverän mit einem 3:0-Sweep lösten. Beim 96:94 in Match eins gegen die Elbestädter glänzte Center Enosch Wolf mit 20 Punkten und sieben eingesammelten Rebounds, auch Igor Cvorovic hatte mit 15 Zählern einen Glanztag erwischt. In der sächsischen Metropole legten „Frenki“ Ignjatovics Jungs dann mit einem 89:72-Erfolg den Grundstein zum Weiterkommen, als Spielmacher Jordan Barnes mit 21 Punkten glänzte. Das 89:76 in Partie drei, zu dem Enosch Wolf ein Double-Double beisteuerte, bedeutete nicht nur den Halbfinal-Einzug, sondern es war auch das letzte Match von Enosch Wolf für Gießen. Weil in der Vorschlussrunde mit RASTA Vechta jene Mannschaft wartete, von der der Hüne erst im Winter an die Lahn gewechselt war. Eine vertraglich vereinbarte Sperre im Falle, dass Gießen auf Vechta treffen würde, verurteilte den 2,15-Meter-Mann zum Zuschauen.
„Wahrscheinlich ist diese Vereinbarung nicht gerichtsfest, wir wollen aber nichts riskieren und setzen Enosch nicht ein. Das würden wir auch so von jedem anderen Team so erwarten“, gab sich „Frenki“ Ignjatovic als fairer Sportsmann. Der auch nicht klagen wollte, dass Big Man und Publikumsliebling Stefan Fundic verletzt für die Serie gegen die Niedersachsen zum Zuschauen verurteilt war. 82:99 ging das erste Match verloren, Luis Figge aber drehte mit 23 Punkten auf. Zu Hause bejubelte eine ausverkaufte Osthalle dann einen 79:76-Sieg, zu dem Justin Martin 22 und Nico Brauner 21 Zähler beisteuerten. Abermals in Vechta (66:88) und dann Ende Mai gegen die RASTA-Männer (87:112) waren die 46ers aber schließlich in allen Belangen chancenlos. „Auch wenn es nicht zur Rückkehr in die Bundesliga gereicht hat, so haben wir in der Stadt eine neue Basketball-Euphorie entfacht“, zeigte sich Branislav Ignjatovic nicht unzufrieden mit der ersten Unterhaus-Runde unter seiner Leitung.
Saison 2023/24
Am letzten Spieltag durch einen hauchdünnen 89:88-Erfolg gegen die Dresden Titans noch auf Platz zwei gerutscht, sollten die PS Karlsruhe LIONS im Playoff-Viertelfinale eigentlich kein Problem darstellen. Doch weit gefehlt, denn die Badener, die sich nicht fürs Oberhaus beworben hatten, spielten befreit auf und fertigten „Frenkis“ Jungs mit 3:1 ab. „Ich bin so enttäuscht wie noch nie in meinem Leben“, verließ der 46ers-Cheftrainer die kleine Lina-Radke-Halle, in der Karlsruhe Spiel vier mit 87:86 für sich entschied, Gießen damit eliminiert und sich aufgemacht hatte, sich schließlich sogar den Titel zu sichern, völlig frustriert. Die 46ers führten zur Halbzeit noch mit 14 Punkten (49:35), hatten auch 120 Sekunden vor Schluss das Momentum noch auf ihrer Seite (86:80) und stellten in Duane Wilson (28 Punkte, Saisonbestleistung) den überragenden Akteur des Abends, doch weil Bakary Dibba die Partie in den Schlusssekunden an sich riss, glitt Gießen der Einzug in die Vorschlussrunde noch aus den Händen.
Dabei hatte die Serie mit einem starken Auftritt beim 111:84-Erfolg gegen die „Löwen“, zu dem Center Jonathan Maier 22 Punkte beisteuerte, glänzend begonnen. Zwei Tage später verlor Gießen allerdings in Karlsruhe 82:98, obwohl Capitano Robin Benzing 27 Zähler auflegte. Als auch Begegnung Nummer drei mit 79:87 in die Hose ging, obwohl Simon Krajcovic 17 Zähler auflegte und Stefan Fundic gegen die langen Dennis Tunstall und Bakary Dibba elf Abpraller einsammelte, nahm das Unheil seinen Lauf. „Unsere Saison war erfolgreich, das lassen wir uns von niemandem nehmen“, so „Frenki“ Ignjatovic später trotzig. Auch wenn sich die 46ers für diese sicher zutreffende Erkenntnis am Ende einer bitteren Niederlage laut Robin Benzing „nichts kaufen konnten.“
Saison 2024/25
Wie schon zwei Jahre zuvor bedeutete der spätere Meister für die 46ers in den Playoffs die Endstation. Im Mai 2023 RASTA Vechta, im Mai 2025 Science City Jena. Als Rang-Fünfter mit 23 Siegen bei elf Niederlagen ins Achtelfinale gegen die Eisbären Bremerhaven gestartet, ließ der Altmeister gleich in Spiel eins aufhorchen. 18 Punkte betrug der Rückstand an der Nordsee zur Pause, ehe die 46ers in der Overtime souverän mit 109:98 triumphierten. Kyle Castlin produzierte starke 27 Zähler, Robin Benzing steuerte 21 bei. Das Feld war also bereitet für Partie zwei in der Osthalle, in der 2800 Zuschauer einen 86:74-Sieg feierten. In Bremerhaven behielten die Eisbären hernach mit 83:69 die Oberhand, doch der starke 80:61-Auftritt in Partie vier, zu dem Viktor Kovacevic mit 17 Zählern und zehn Rebounds ein Double-Double beisteuerte, bedeutete den Halbfinal-Einzug.
Es war eine Vorschlussrunde wie eine Achterbahnfahrt. Erst behielten die 46ers in Jena mit 84:80 die Oberhand, dann mussten sie sich der Truppe ihres ehemaligen Coaches Björn Harmsen mit 77:87 geschlagen geben, obwohl Robin Benzing vier Dreier versenkt hatte. Das dritte Match dominierte Jena mit 99:66, Partie vier vor 3000 Besuchern an der Lahn ging dann gegen die Thüringer mit 95:97 verloren, auch wenn Kyle Castlin 23 Punkte markiert und Luis Figge zehn sowie Simon Krajcovic neun Rebounds eingesammelt hatten. Er fühle sich „betrogen“, seine Jungs, aber auch die Fans hätten „ein fünftes Match verdient“ gehabt, es bleibe „ein Beigeschmack“, schimpfte Branislav Ignjatovic über die Leistung der Schiedsrichter, die „der Bedeutung einer solch wichtigen Begegnung unwürdig“ gewesen seien.
Saison 2025/26
Es sollte der dritte Halbfinal-Einzug der GIESSEN 46ers beim vierten vergeblichen Versuch, in die Bundesliga zurückzukehren, gewesen sein. Nach Abschluss der Hauptrunde mit 18 Siegen und 16 Niederlagen „nur“ auf Platz sieben gelandet, zeigte der Altmeister im Viertelfinale gegen die HAKRO Merlins Crailsheim altbewährte Tugenden. Mit viel Leidenschaft in der Defense und einer unfassbar lauten „Osthölle“ dominierten die Jungs von „Frenki“ Ignjatovic nicht nur Partie eins (89:77) und zwei (89:79), in denen jeweils fünf Akteure zweistellig scorten, sondern sie behielten auch nach der unglücklichen 86:88-Vorstellung in der Arena Hohenlohe im abschließenden vierten March beim 87:70, zu dem Daniel Norl 21 Punkte beisteuerte, die Oberhand. Bei aller Euphorie: Im Halbfinale bedeuteten die Bozic Estriche Knights – wie bekannt – die Endstation. Wie zwei Jahre zuvor Karlsruhe spielten auch die Teck-Städter, ob ihrer fehlenden Bewerbung zum Oberhaus, befreit auf, während der Altmeister, den Aufstieg vor Augen, verkrampfte. Partie eins ging beim 90:77 noch an die Mittelhessen, in den weiteren drei Begegnungen aber triumphierten die Schwaben.
So dass vor wenigen Tagen viele Anhänger ob des verpassten BBL-Aufstiegs trauerten, andere sich aber freuten, dass es in der ProA weitergeht. Für die einen ist das Glas nun mal halbvoll, für die anderen halbleer.


