


Der Beginn des dritten Spielabschnitts erinnerte dann an die Saisonauftaktpartie in Oldenburg. Ähnlich wie an der Hunte hatte das Gießener Team große Probleme gegen eine nun mit einer sehr hohen Intensität agierende Dragons-Verteidigung. Acht ihrer am Ende 23 Ballverluste hatten die 46ers im dritten Viertel zu verzeichnen, ganze sieben Pünktchen gelangen den Mannen um Kapitän Flo Hartenstein in Quarter Nummer drei. Über die Stationen 47:41 (Dreier Mc Intosh, 23.) und 53:46 (27.) setzten sich die Gastgeber bis zum Ende des Viertels auf 59:48 (Dreier Darren Fenn, 30.) ab.
Ein Drei-Punkt-Spiel von Corey Rouse läutete zu Beginn des letzten Spielabschnitts die Gießener Aufholjagd ein (59:51). Die Gäste hatten jetzt Oberwasser, hängten dem Pokalsieger innerhalb der ersten 50 Sekunden des Viertels vier Teamfouls an. Es dauerte dreieinhalb Minuten, ehe Artland durch einen Mitteldistanztreffer von Fenn die ersten Punkte des finalen Abschnitts erzielen konnte (61:53). Leider hatten die 46ers in diesem Zeitraum auch zwei aussichtsreiche Korbgelegenheiten in Schnellangriffen nicht nutzen können: Beim ersten Fastbreak wurden kurz nacheinander Lay-up-Versuche von Corey Rouse und Maurice Jeffers von den Artland-Verteidigern ans Brett genagelt, beim zweiten Mal verlor Danny Lewis in des Gegners Hälfte auf Höhe der Freiwurflinie die Kontrolle über den Ball. Auch wenn diese Chancen, den Rückstand weiter zu verkürzen, vertan wurden, war es kurze Zeit später dennoch soweit. Nach dem 63:54 (35.) durch eine Einzelaktion des quirligen McIntosh blieben die Dragons in ihren folgenden drei Angriffen ohne Korberfolg, was die 46ers-Fünf nutzte, um durch einen Dreier von Heiko Schaffartzik, zwei verwandelte Freiwürfe sowie einen Dreier von Michael Umeh auf 62:63 heranzukommen (37.). Nach einem vergebenen Nahdistanzversuch von Paul Johnson war es erneut Schaffartzik, der eine Sekunde vor Ablauf der Schussuhr etwa einen Meter hinter der Dreierlinie stehend abdrückte und die Murmel zur 65:63-Führung der 46ers durch die Reuse schweben ließ.
Nach einem schön herausgespielten Mitteldistanztreffer von Gerrit Terdenge (67:65 für Gießen, 39.) hatte Heiko Schaffartzik 71 Sekunden vor Schluss die Chance, den Vorsprung an der Freiwurflinie auf vier Zähler auszubauen. Der Aufbauspieler traf aber nur einen von zwei (68:65). In der Schlussminute wurde der vor den 3000 Besuchern in der Artland Arena alles in allem mit einer guten Leistung aufwartende Gerrit Terdenge zur tragischen Figur: Nach dem 67:68-Anschluss der Dragons durch Nahdistanzpunkte von Fenn (50 Sekunden Restzeit) stellte sich zunächst ein weiterer Mitteldistanzwurfversuch Terdenges 30 Sekunden vor dem Ende als zu kurz heraus. Nach den Freiwurftreffern von Zack Whiting, der bei einem Drive zum Korb gefoult worden war (69:68 für Artland), und der anschließenden Auszeit des 46ers-Team verblieben den Gästen 13 Sekunden auf der Uhr, um den siegbringenden Korb zu erzielen. Nach einem Zusammenspiel von Rouse und Schaffartzik drang letzterer in die Zone der Dragons vor und passte zu dem dicht an der Grundlinie der Gastgeber im Dreipunktbereich sich anbietenden Mike Umeh, der dann jedoch vielleicht einen Tick zu lange zögerte, statt eines eventuell möglich gewesenen Catch-and-shoot-Versuchs keinen freien Wurf mehr bekam und den Ball zu dem etwa drei Meter entfernt ebenfalls jenseits der 6,25-m-Linie postierten Gerrit Terdenge weiterspielte, der – von seinem Gegenspieler gut verteidigt – bei zwei verbleibenden Sekunden auf der Uhr den finalen Wurf ansetzte, der aber wie schon eine halbe Spielminute zuvor zu kurz blieb und sein Ziel verfehlte. Eine über weite Strecken der Partie gute Leistung des LTi 46ers-Teams blieb damit unbelohnt, statt der Gießener Mannschaft fuhren die Artland Dragons ihren ersten Saisonsieg ein.
Trainerstimmen:
Simon Cote (LTi 46ers): „In den ersten 18 Minuten der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, danach haben wir Artland in den letzten zwei Minuten ins Rollen kommen lassen und Selbstvertrauen gegeben. Nach der Pause haben wir uns von der Aggressivität der Dragons den Schneid abkaufen lassen und acht Minuten lang offensiv wie defensiv nicht die Teamleistung gezeigt, die wir zu bringen imstande sind. Anschließend haben wir uns eindrucksvoll in das Spiel zurückgekämpft. Am Ende hat uns einfach das big play gefehlt, das zum Sieg nötig gewesen wäre. Wir haben zu Saisonbeginn mit Oldenburg, Berlin und Quakenbrück gegen drei starke Mannschaften gespielt, gegen die man über 40 Minuten Teambasketball und mit 100-prozentiger Intensität spielen muss, um zu gewinnen. Wir sind leistungsmäßig noch nicht da, wo wir hin wollen. Diese drei Spiele waren aber ein guter Test für uns. Wir haben uns verbessert, werden uns noch weiter steigern, und dann sicherlich auch bald Spiele haben, in denen wir mehr als nur mit dem Gegner mithalten können.“
Thorsten Leibenath (Artland Dragons): „Beide Mannschaften haben kämpferisch überzeugt. Im zweiten Viertel haben wir den Faden verloren und zu viele einfache Punkte durch Gerrit Terdenge kassiert. In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, das besser zu machen. Im dritten Viertel konnten wir in der Verteidigung dann auch an Intensität zulegen und uns dadurch einen Vorsprung erspielen. Uns fehlt noch die Ruhe, ein Spiel nach Hause zu bringen. Wir haben am Ende zu schnell den Abschluss gesucht, da hätten wir die Verteidigung laufen lassen und abgeklärter agieren müssen. Wir haben es unnötig eng gemacht, den letzten Gießener Angriff dann aber gut verteidigt. Für uns ist der Sieg erleichternd, aber natürlich fühle ich immer noch mit Gießen mit. Ich hoffe, dass die 46ers bald Siege einfahren werden und bin auch überzeugt davon, wenn sie so weitermachen, wie sie sich heute hier bei uns präsentiert haben.“
Artland Dragons: Stückemann (0), McIntosh (18), Johnson (4), Rohdewald (n.e.), Hall (2), Neitzel (0), Prewitt (2), Hess (16), Krause (n.e.), Mädrich (5), Fenn (18), Whiting (4).
LTI GIESSEN 46ers: Jeffers (7), Umeh (8), Terdenge (14), Lewis (3), Lischka (2), Maras (6), Poiger (n.e.), Rouse (12), Freese (2), Schaffartzik (10), Hartenstein (4).


