GIESSEN 46ers gefallen abermals in der Defense und schlagen die SBB Baskets Wolmirstedt in fast ausverkaufter Osthalle mit 95:66.
Eine schmucke Krawatte? Out! Ein paar stylische Socken? Unpassend! Eine erfrischende Bodylotion? Never! Wenn eine verfrühte Bescherung drei Tage vor dem christlich-orthodoxen Weihnachtsfest ansteht, dann reichen Menschen dieser Glaubensgemeinschaft – wie Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic – die „einfachen“ Präsente des Lebens, halt die ohne finanziellen Background: Zusammenhalt, Einsatz, Ideenreichtum – garniert zu guter Letzt mit zwei Punkten. Einem Sieg also, der die Diskussionen der letzten Monate über sportliche Weh und Achs endgültig ad acta legen sollte.
„Es war die zweite Partie in Folge, in der wir defensiv richtig gut gespielt haben“, freute sich der 59-Jährige über das 95:66 (46:35) seiner GIESSEN 46ers am vorletzten Vorrunden-Spieltag der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA gegen die SBB Baskets Wolmirstedt, die in einer fast ausverkauften Osthalle nie den Hauch einer Chance besaßen. Und nach der der Mann aus Belgrad überhaupt keinen Grund sah, in irgendwelchen Krümeln zu suchen. „Wenn ein Team so deutlich gewinnt, dann gehört es sich nicht, Kritik zu üben.“
Auch seine Jungs waren voll des Lobes über ihren ersten Auftritt im neuen Jahr. Center Jonathan Maier, dessen Frau Janine ihren 30. Geburtstag mit Familie und Freunden auf der Ost-Empore feierte, sprach von einem „angenehmen Gefühl“, das sich bei ihm inzwischen in den Begegnungen ein gestellt habe. „Mit dem einzigen Unterschied, dass wir das in der letzten Saison ein wenig früher hatten.“ Und Kapitän Robin Benzing wusste: „Wenn du gut verteidigst, dann funktioniert auch die Offensive.“
In der Tat hatte der Altmeister eine gute Woche nach dem 74:64-Erfolg bei den Nürnberg Falcons BC abermals keine 70 Punkte des Kontrahenten zugelassen, was ihm in den 14 Partien zuvor nur zum Saisonstart in Kirchheim sowie zu Hause gegen Bremerhaven (beide 61) und in Münster (62) geglückt war. Dazwischen hatte es teils schmerzliche und dreimal sogar dreistellige Abreibungen (im Artland, in Paderborn, in Crailsheim) gegeben, von denen die Samstag-Gäste aus der Nähe von Magdeburg in Sachsen-Anhalt, die allerdings bisher schwächste Truppe, die sich in dieser Runde an der Lahn vorgestellt hatte, jedoch meilenweit entfernt war.
Die 46ers beherrschten ab Minute zwei und einem 2:3-Rückstand den Gegner, ließen den Ball schnell und kreativ zirkulieren, packten hinten besonders gegen die stabilen Michael Hughes II und Fabien Kondo ordentlich zu und zeigten vor allem eine mannschaftliche Geschlossenheit, die in dieser Runde so deutlich noch nie zu Tage getreten war. Und die sich darin manifestierte, dass alle Profis Einsatzminuten hatten, elf von zwölf punkteten, Abpraller von den Brettern fischten und in der Foulstatistik erschienen und immerhin zehn der Helden in der Assist-Statistik erschienen. „Jeder wird gebraucht, jeder hat seinen Teil zum Erfolg beigetragen, so funktioniert Teamsport“, fasste Robin Benzing den gelungenen ersten Auftritt 2026 treffend zusammen.
Es war der neunte Sieg im 16. Auftritt dieser Runde, der echt Lust auf mehr machte. Weil Aiden Warnholtz und Daniel Norl immer dann als Punktelieferanten zur Stelle waren, wenn sie gebraucht wurden. Weil Devon Goodman den früh und durchaus umstritten von den Refs mit vier Fouls aus dem Spiel genommenen Simon Krajcovic würdig und vor allem so lange wie noch nie in seinen nun acht Partien für die 46ers vertrat. Weil sich die bisherigen Top-Scorer Robin Benzing und Kyle Castlin ebenso wie der Nürnberger 21-Punkte-Mann Till Gloger in den Dienst der Mannschaften stellten. Weil Jonathan Maier wieder einmal die Bretter beherrschte. Weil Luis König Figge und Abu Kigab als Energie-Lieferanten funktionierten. Und weil Youngster Kai Müsse seine Punkte drei und vier in dieser Spielzeit besorgte.
Da auch das Spektakel eindeutig in roten Shirts und Hosen daherkam, durften viele Fans der Stehtribüne am Ende einen nach eigener Aussage „entspannten Abend“ an der Bar unter der Haupttribüne ausklingen lassen. Zuvor hatte Till Gloger nach einem Coast-to-Coast-Run von Daniel Norl mit dem 19:14 (9.) die beiden Airballs des danach allerdings auftauenden Abu Kigab unter den Tisch kehren können. Devon Goodman vollendete nach eigenem Ball-Klau so spektakulär über den gefühlt einen Meter größeren Fabien Kondo zum 26:16 (11.), dass Gästetrainer Eiko Potthast sich zu einer raschen Auszeit zu Beginn des zweiten Abschnitts genötigt sah.
Aiden Warnholtz verwertete einen Traumpass von Daniel Norl zum 30:18 (14.). Jonathan Maier stopfte die Kugel im dritten Nachfassen zum 58:41 (24.) in die Reuse. Daniel Norl schloss per Buzzerbeater zum 73:49 (30.) ab, nachdem er das Bällchen zusammen mit Devon Goodman im Stile von Florian Wirtz und Jamal Musiala über das halbe Feld bewegt hatte. Abu Kigab ließ beim 79:49 (32.) halb Wolmirstedt stehen. Daniel Norl warf zwischenzeitlich sogar einen 31-Punkte-Vorsprung (89:58, 36.) heraus. Und Kai Müsse, viereinhalb Minuten vor dem Ende unter den Sprechchören der Anhänger eingewechselt, wurde von Luis König Figge so genial bedient, dass sich die Halle bei seinem 91:60-Korbleger gerne erhob.
„Hier kannst du nur gewinnen, wenn du einen richtig guten Tag erwischst. Den hatten wir heute aber nicht“, gab sich SBB-Coach Eiko Potthast als fairer Verlierer bei einem Gießener Team, bei dem jedoch auch nicht alles Gold war, was glänzte. Zum einen musste Roland Nyama nach einem bösen Check schmerzverzerrt nach fünfeinhalb Minuten seines Mitwirkens passen und den Rest der Partie mit einem Kühlpack auf der Schulter von draußen verfolgen. Zum anderen waren eine nur 32-prozentige Dreierquote und nur sieben von mageren zwölf zugesprochenen Freiwürfen ebenso ausbaufähig wie eine nur hauchzart und mit 37:35 gewonnene Rebound-Statistik.
Was „Frenki“ Ignjatovic allerdings die vorweihnachtliche Bescherung nicht verderben konnte …
Gießen: Norl (4), Warnholtz (11), Goodman (15), Castlin (13), Benzing (8), Maier (8), König Figge (12), Müsse (2), Gloger (4), Nyama, Kigab (13), Krajcovic (5).
Wolmirstedt: Stewart (22), Perry (11), Bogdanov (7), Williamson (11), Koppke, Pruitt (4), Ceesay, Kondo (8), Hughes II (3).
UND SONST NOCH …
- Unsere Starter: Kyle Castlin, Robin Benzing, Jonathan Maier, Luis König Figge, Simon Krajcovic.
- Unser ausdauerndster Profi: Devon Goodman (26:39 Minuten).
- Unser stärkster Rebounder: Jonathan Maier (8).
- Unser erfolgreichster Passgeber: Devon Goodman (6).
- Unsere höchste Führung: 89:58 (36. Minute).
- Unsere erfolgreichste Serie: 9:0 zum 77:49 (31. Minute).
- Unsere emotionalen Beobachter: 2398 Zuschauer in der Osthalle.
- Unser nächster Auftritt: Sonntag, 11. Januar (17 Uhr), bei den EPG Baskets Koblenz.


