Es war alles andere als ein schönes Spiel – aber danach fragt am Ende keiner mehr.
Denn nach dem hart umkämpften 76:69 (20:20, 15:17, 18:19, 23:13) Erfolg über die New Yorker Phantoms Braunschweig konnten die LTi Giessen 46ers am späten Sonntag Nachmittag nicht nur einen wichtigen Sieg, sondern durch die gleichzeitigen Niederlagen der unmittelbaren Konkurrenten im Abstiegskampf auch den vorzeitigen Klassenerhalt feiern.

Dabei sah es über weite Strecken alles andere als nach einem Erfolg aus. Nach einem verschlafenen und nervösen Auftakt sahen sich die Gastgeber schon schnell im Hintertreffen (4:12, fünfte Minute) und Headcoach Thorsten Leibenath sah sich in dieser Situation sogar dazu gezwungen, seine komplette Starting Five auszuwechseln. „Ich wollte den Intensitätslevel erhöhen. Wir waren viel zu passiv in die Partie gegangen, genauso wie in Tübingen im dritten Viertel. Ein Einzelwechsel hätte hier nicht viel verändert. Ich habe vollstes Vertrauen in alle meine Bankspieler und daher konnte es nur besser werden.“ so Leibenath anschließernd zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme.
Und die sollte sich zunächst auszahlen. Die „zweite Fünf“, in der sich aufgrund einer Schulterverletzung diesmal auch Corey Rouse befand, verkürzte vor allem dank einiger von Danny Lewis glänzend inszenierter Fast Breaks Punkt um Punkt und schloss schnell zum 13:15 auf. Zwar gelang es den Gästen dann nochmal die Führung etwas auszubauen, doch bis zum Viertelende hatten Giessens Bankspieler zum 20:20 ausgeglichen.

Trotz des engen Spielverlaufs und des knappen Zwei-Punkte-Rückstands waren die Gäste bis zu diesem Zeitpunkt das optisch stärkere Team und daran änderte sich auch im dritten Spielabschnitt nichts. Gegen die jetzt aggressiver zu Werke gehenden Niedersachsen fanden die Gastgeber auch trotz der kurzzeitigen 39:37 Führung durch Robinson nicht in ihren Rhythmus. Wiederum sind es einige leichtfertige Ballverluste oder aufgrund von Zeitdruck erzwungene Würfe der 46ers, welche die noch um die Play-Off-Teilnahme kämpfenden Phantoms um den stark aufpsielenden John Allen nutzen, um sich erneut abzusetzen.

Im letzten Viertel gelang es dann den Phantoms nicht mehr, sich deutlicher abzusetzen. Drei Punkte betrug die höchste Führung der bis dahin alles in allem spielbestimmenden Gäste im Schlussabschnitt bis in die 36. Minute noch (61:64), doch auch die war fortan nicht mehr von Dauer, da sich die LTiler an der Freiwurflinie immer weiter heranarbeiteten. Die vielumjubelte 66:64 Führung durch Danny Lewis (zwei sicher verwandelte Freiwürfe nach Steal und Fastbreak) konterten die Phantoms zwar noch einmal durch einen Drevo-Dreier, doch die 46ers hatten jetzt das Momentum (und nicht zuletzt die Zuschauer) auf ihrer Seite.
Ausgerechnet der bis dahin eher unglücklich agierende Rouven Roessler war es, 
Da die 46ers nun auch noch Ballbesitz hatten, und die Niedersachsen die Uhr stoppen mussten, fand sich kurz darauf auch Lewis an der Linie und punktete ebenso effizient wie zuvor Roessler: Den daraus resultierenden 74:69 Vorsprung ließen sich die Hausherren bei etwa 20 Sekunden Restspielzeit dann nicht mehr nehmen und feierten am Ende ausgelassen den über weite Strecken nicht für möglich gehaltenen Sieg.
Stimmen zum Spiel
Thorsten Leibenath (Cheftrainer LTi 46ers): „Heute waren mehrere Faktoren ausschlaggebend: Braunschweig hatte das Spiel lange Zeit unter Kontrolle und wir sind nur über sehr viel Kampf und einige Male auch mit Glück dran geblieben. Im letzten Viertel, als noch so etwa zwei/zweieinhalb Minuten zu spielen waren und wir ein oder zwei Punkte zurücklagen sind die Zuschauer aufgestanden und haben uns eine unglaubliche Unterstützung gegeben. Das ist der Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen, und das hat uns in unseren Aktionen dann das notwendige Selbstvertrauen gegeben. Der zweite Grund heute war natürlich Danny Lewis, der ein sensationelles Spiel abgeliefert hat. 
Emir Mutapcic (Cheftrainer New Yorker Phantoms Braunschweig): „Gratulation an Gießen. Die Statistik zeigt, dass das Spiel sehr ausgegelichen war, die Werte sind in fast allen Bereichen gleich. Warum wir am Ende verloren haben, liegt meiner Meinung nach daran, dass wir von Anfang an nicht genug Geduld in der Offensive gezeigt haben. Gießen wollte den Sieg heute vielleicht auch ein wenig mehr, auch wenn für beide Seiten heute viel auf dem Spiel stand. Im letzten Viertel hatten wir dann auch keine Energie mehr, haben viele Würfe nicht getroffen und haben die Kontrolle an Gießen zurückgegeben. Natürlich bin ich enttäuscht, aber in Gießen ist es immer schwer zu gewinnen, die 46ers sind sehr heimstark.“
„Flo“ Hartenstein (Center LTi 46ers): „Dass der Klassenerhalt jetzt feststeht, ist eine große Erleichterung für uns. Zwar war das heute kein schön anzusehendes Spiel, aber wir haben hart gekämpft und sind dafür belohnt worden. Bereits in den letzten Heimspielen sind wir stark aufgetreten. Trotzdem haben wir heute auch ein bisschen Glück gehabt: erst der Dreier von Rouven aus der Ecke und dann die Entscheidung der Schiedsrichter auf unsportliches Foul gegen die Braunschweiger. Jetzt können wir total unbeschwert in die nächsten Spiele gehen und uns ein bisschen freuen.“
„Jo“ Lischka (LTi 46ers Forward): „Ich freue mich riesig über den Sieg. Ich hatte ein enges Spiel erwartet. Häufig haben wir in dieser Saison bei solchen Spielen am Ende den Kürzeren gezogen, aber heute war das anders. Im letzten Viertel haben wir kämpferisch eine Schippe drauf gelegt und auch in der Verteidigung noch aggressiver gearbeitet. Super, dass wir auch in der nächsten Saison wieder in der BBL spielen werden.“
Punkteverteilung:
LTi GIESSEN 46ers: Lewis (17), .Umeh (12), Rouse (11), Boxley (8), Terdenge (8), Roessler (7), Hartenstein (4), Robinson (4), Trotter (3), Lischka (2)
New Yorker Phantoms Braunschweig: Allen (17), Drevo (14), Cain (11), Jones (10), Levy (8), Coleman (5), Khartchenkov (2), Wright (2), Stückemann, Freese.
Alle Bilder: Mediashots Werbefotografie.


